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Petes Ideenarmut
Gast-Beitrag von Stephan Stöckel

 

Für die Medien und viele Fans stand bei den „Babyshambles“ schon immer nur einer im Rampenlicht: Sänger, Gitarrist und Skandalnudel Pete Doherty. Auf dem zweiten „Babyshambles“-Album „Shotter’s Nation“ stellte der Engländer eindrucksvoll unter Beweis, dass er nicht nur Schlagzeilen für die Boulevardpresse, sondern auch astreine Britpopsongs schreiben kann.

Nachdem er für viele zum Synonym für die „Babyshambles“ geworden war, begab er sich, unterstützt von Produzentenlegende Stephen Street und „Blur“-Gitarrist Graham Coxon, auf Solopfade. Aus dem Pete wurde kurzerhand ein Peter, auch wenn Gott und die Welt ihn weiterhin mit der Kurzform anreden wird.

So bleibe auch ich beim vertrauten Pete und widme mich seiner Soloscheibe „Grace/Wastelands“.
„In Arkadien fließt dein Leben vor sich hin, so ursprünglich und unverdorben wie ein Hirtenlied“, singt der liebe Pete, der die Wandergitarre ausgepackt hat. Da wandelt einer, der einst dem Punk mit Leidenschaft frönte, auf den Pfaden eines Bob Dylan und trällert eine Melodie, die einen sogleich dazu animiert, mit einzustimmen.

Im nächsten Song („Last Of The English Roses“) packt er sogleich die Mundharmonika aus, kontrastiert sie mit satten Beats und sinniert über seine Jugend. Eine famose Reminiszenz an selige Madchester-Tage. Ach wie schön!

Was dann folgt ist musikalisches Mittelmaß. Dohertys Genörgel lässt Charisma und Spannung vermissen, nervt auf die Dauer nur noch. Auch seine musikalischen Mitstreiter laufen nicht gerade zur Höchstform auf. Es wird gegeigt, geswingt und auf dem Rummelplatz musiziert, doch kreativ Hochtrabendes fördert die Musikantenschar dabei nicht zutage.

Während er auf seinem vergangenen Babyshambles-Album eindrucksvoll zeigte, wie erwachsen und kultiviert ein (ex-?)Junkie klingen kann, ohne seine Ecken und Kanten zu verlieren, werden dem Musikgourmet hier nur noch halbe Sachen serviert.


"Grace / Wastelands " von Peter Doherty
ist ein Gast-Beitrag von Stephan Stöckel.
© Stephan Stöckel, März 2009

Was du wissen solltest, wenn du uns auch eine Gast-Kritik senden willst, erfährst du hier.

 


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