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Die
vielen Gesichter der
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Tori Amos hat für ihr aktuelles Album "Strange little girls" Lieder anderer Musiker neu aufgenommen. Alle Lieder haben gemeinsam, dass sie von Männern geschrieben wurden, die aus männlicher Sicht über Frauen singen. Tori Amos drehte den Spieß um und erzählt die von Gewalt und Misshandlung handelnden Texte neu: aus der Sicht der Frauen. In Kürze wird sie die Titel des Albums auch in Deutschland live vorstellen. Frage: Wie kam es zur Auswahl der Songs auf "Strange Little Girls"? Tori Amos: Ich hatte ein "Laboratorium von Männern", sozusagen als Kontroll-Gruppe. Sobald mir klar war, dass sich die Sichtweise abhängig davon ändert, wo Du stehst, mir klar war, wie Männer Dinge sagen und was eine Frau hört- das war auch eine Säule dieses Gefüges. Sobald ich diese Ecksteine verstand, ging ich zu diesem "Laboratorium von Männern", die einwilligten, Teil dieses Experimentes zu sein, und fragte sie: Welche Songs, die Männer geschrieben haben, bedeuten Euch etwas? Also sammelte ich, eine ganze Zeitlang. Während ich das Baby hier, links an der Brust, hatte und die Männer rechts am Telefon. Das Grossartige ist, dass ich so gelernt habe mit einer Hand zu stillen. Das geht. |
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Tori
Amos: Ich spreche von diesen Zeiten in denen wir Leben. Gewalt ist da
wie Salz, wir verstreuen es hier und dort. Ich sehe es überall. Die
Art und Weise wie wir kommunizieren. Die Gewalt ist mit uns im Auto. Sie
ist nicht mehr dieses Ding, das wir verfolgen oder das uns auf dem Motorrad
verfolgt oder was auch immer, sie ist jetzt mit uns innen drin im Wagen.
Besonders in Amerika. Wir wissen alle, das Amerika eine "Waffen Kultur"
hat, aber es ist jetzt an einem Höhepunkt der Fieberkurve angelangt,
wo die Leute der Gewalt gegenüber so extrem unsensibel gemacht worden
sind. Es ist wie bei den Rauchern, seien sie gesegnet. Mein Ehemann ist
Raucher. Wie er alles versalzt, da muss man sich wirklich mal einen Moment
zurücklehnen und fragen: Kannst Du dieses Essen überhaupt schmecken?
Die Gewalt ist wirklich wie dieses Salz, das jetzt überall in unseren
Leben verpfeffert worden ist. Ich sehe es besonders oft mit meinen Neffen
und Nichten, ich habe insgesamt 8. Als wieder so ein Mord (in einer Schule)
in San Diego passierte, bemerkte ich, wie sehr es sie durchdrungen hat,
da einfach so viele dieser Mordanschläge geschehen. Bin Laden ist
nicht ihre Angst, egal ob das überhaupt valide ist oder nicht, aber
das steht ihnen auch gar nicht bevor. Ihnen steht das Kind bevor, das
neben ihnen im Chemieunterricht sitzt. Selbst in ihrem eigenen inneren
Zirkel ist es nicht sicher. Das ist "Teilen und Erobern". |
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Frage: Es ist wie in einer Schreckensherrschaft? Tori Amos: Und wir sind wieder bei der Macht der Worte. Manchmal denke ich, dass wir fast wieder diese primitive Spezies werden: "Yo, lass uns vor die Tür gehen!" Sogar mit Frauen: "Komm her, Du Bitch, ich zeige Dir, wer recht hat!" Oh Gott! So, denken wir also, werden wir "Mentales Schach" spielen: Mit den Fäusten, anstatt mit dem Kopf. Die "Macht des Stiftes" ist so, dass wir sie uns als Songwriter immer wieder bewusst machen müssen. Wir haben diese Macht und sie ist ein Privileg. Ich glaube an das "First Amendment" (Das Recht der freien Meinungsäusserung), aber ich mag es auch irgendwie, wenn man meine Füsse ans Feuer hält. Ich habe ein bisschen von diesem "witchypoo" (hexenhaften) Ding am laufen. Ich denke, auf eine gewisse Art, bin ich ein kleiner Pyromane. Die Idee, durch das Feuer zu gehen, zieht mich wirklich an. Und ja, ich muss nach meinen eigenen Regeln spielen. Ich verstehe das. Es ist hart, aber ich verstehe es. Gewalt ist etwas, das ich mit diesem Album kommentiere. |
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Ich glaube ausserdem, dass da einige wunderschöne Gedanken auf dem Album sind, die Seite an Seite damit leben. Aber mehr als alles andere, haben diese Songs diesen Ort in mir aufgebrochen. Sie haben das alles sehr greifbar gemacht. Ich kann nicht einfach unberührt von diesen Dingen sein. Und irgendwie betäubt von ihnen. "Oh ja, schon wieder ein Mädel, das sich mit einem anderen Mädel schlägt, weil sie sich bei "Harvey Nicholas" über Schuhe streiten." Nein. Wir müssen aufmerksam sein, uns unsere Zeit und das, was um uns herum geschieht, bewusst machen. Diese Songs liessen mich etwas fühlen. Die Mitte des Albums, die Brücke des Albums, ist Tom Waits. Ich habe den Song vom Standpunkt des Todes aus gesungen, denn der Tod ist in vielen Fällen eine Folge der Gewalt. Wenn es auch nur ein psychologischer Tod ist, etwas in einem abstirbt, wenn Jemand verbal zu verwunden weiss. Ein Traum stirbt vielleicht. Und ich habe sein Gefühl wirklich nachgefühlt. "It´s Time That You Love/ The Shadow Boys Are Breaking All The Laws" (Es ist an der Zeit, dass Du liebst/ Die Schattenjungen brechen alle Gesetze). Er ist einer der grossen amerikanischen Poeten. Und ich habe wirklich gefühlt, dass ich genau das jetzt in meinem Leben brauche: Es ist an der Zeit, dass Du liebst. Und ein wichtiger Teil des Liebens ist manchmal, sich das anzusehen, was ist. |
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Frage: Am Anfang von "Happiness Is A Warm Gun" hört man einige Kommentarstimmen. Die erste ist von einem Nachrichtensprecher, der John Lennons Ermordung bekannt gibt. Wer sind die anderen? Tori Amos: Der letzte ist George Bush, der Senior. Vorher spricht George W. Er ist der, der sagt, dass er meint, Kriminelle sollten keine Schusswaffen haben, das ist George W. Wir mussten ihn überhaupt nicht editieren, das ist das Wunderbare an George W. Man muss überhaupt nicht an seinen Aussagen herumspielen, sondern kann sie so intakt lassen und auch dann funktionieren sie perfekt. Die Stimme davor ist mein Vater. Ich dachte, es wäre fair. Wenn ich Vater und Sohn reden lasse, kann ich auch Vater und Tochter sprechen lassen. Mein Vater glaubt wirklich an das "Second Amendment" (Das Recht, eine Schusswaffe zu tragen). Und er sagte zu mir: "Wenn Du mich editierst, Tori Ellen, werde ich...wehe, Du zitierst mich falsch!" |
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