Zweimal Kuba hin und zurück
Ibrahim Ferrer und Raul Paz repräsentieren zwei Generationen Kuba

 


IBRAHIM FERRER
Aktuelles Album:
Mi sueño
Nonesuch/Warner


"Mi sueño" - mein Traum - ist nicht nur dessen Verwirklichung, sondern auch das Vermächtnis von Ibrahim Ferrer. Der Star, dessen Albumaufnahme zum Motiv für Wim Wenders' Film "Buena Vista Social Club" wurde, starb 2006 im Alter von 78 Jahren "Mi sueño" ist sein letztes Album, und es erzählt die Geschichte eines Romantikers. Denn der "Traum" von Ibrahim Ferrer bezog sich auf den gefühlvollsten der der Musikstile Kubas: den Bolero. Ein ganzes Bolero-Album hatte er aufnehmen wollen, und in dem jungen Jazz-Pianisten Roberto Fonseca fand er einen bemerkenswerten Arrangeur seines Traums.

Fonsecas Arrangements unterstreichen den eleganten Charakter der sehnsüchtigen Liebeslieder, die Ferrer mit schlafwandlerischer Sicherheit und feinem Gespür für den eigenen Ausdruck interpretiert. Zu keinem Zeitpunkt ist dem Album anzuhören, das für die Fertigstellung die Probebänder seines Gesangs verwendet werden mussten - für die endgültige Einspielung von "Mi sueño" blieb Ferrer keine Zeit mehr.

Mit Ibrahim Ferrer verliert der Buena Vista Social Club, dieses in Würde gealterte Orchester, das Ende der 1990er Jahre von Ry Cooder in Havanna wieder vereint wurde und seither weltweite Erfolge feierte, seine profilierteste Stimme und sein berühmtestes Gesicht. Als letzten Gruß vereint er sich nochmals mit der Stimme seiner großartigen Kollegin Omara Portuondo. Ihr gemeinsames Duett des Klassikers "Quizás, quisáz" ist wohl einer der letzten Höhepunkte einer vergangenen Epoche, die Ferrer und seine musikalischen Freunde so enthusiastisch wieder belebten.


RAUL PAZ
Aktuelles Album:
En casa
Naïve


Journalisten wissen immer wieder zu berichten, dass die hierzulande so sehr gefeierten Musiker des Buena Vista Social Club in Kuba praktisch ohne Bedeutung sind. Zeit ihres Lebens waren sie zwar gefragte Musiker, aber keineswegs berühmt, nicht in Havanna, und schon gar nicht darüber hinaus.

Obgleich einer anderen Generation angehörend, verhält es ich bei Raul Paz ganz ähnlich. Der heute 37-jährige Sänger begann in Havanna sein Musikstudium, doch dann verließ er Kuba, um seinen Universitätsabschluss in Paris zu machen. Dort begann er auch seine Karriere als Musiker, und dort lebt er bis heute. So entstanden seine Alben "Cuba libre", "Mulata" und "Revolución" in Europa. Auf seinem neuen Album "En casa" enthält erstmals sogar einen Titel in französischer Sprache.

Doch davon abgesehen ist "En casa" eine Rückkehr in die Heimat, orientiert Raul Paz sich doch recht deutlich an den Musikstilen seiner Heimat. So kann man ihn vielleicht als zeitgemäßen Interpret von Son, Salsa und Boleros verstehen. Da er jedoch gleichzeitig vom französischen Chanson und europäischem Songwriter-Pop beeinflusst scheint, erklingt sein Sound quasi als transatlantische Zusammenführung verschiedener Ursprünge - und macht Hoffnung auf eine neue Generation kubanischer Musiker, mit der die großartige musikalische Tradition der Karibikinsel nicht in Vergessenheit gerät.

© Michael Frost, 04.04.2007




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