THE CURE "revisited":
DISINTEGRATION (1989)

Remastertes Album
erscheint als 3-CD-Set

The Cure standen 1989 auf dem Zenith ihrer Karriere. Mit "Lovecats", "The walk", "In between days" und "Close to me" hatten sie bereits Songs vorgelegt, die das Jahrzehnt prägten, New Wave, psychedelische Überspanntheit und Pop zusammenbrachten, ein großartiges "Best of"-Album veröffentlicht ("Staring at the sea"), das viele Fans die Band - mitsamt ihrem depressiven Frühwerk - überhaupt erst entdecken ließ und anschließend das übervolle Doppelalbum "Kiss me Kiss me Kiss me !!!" aufgenommen, auf dem sich für jeden der vorgenannten Stile mehrere Songs auf einmal finden ließen und depressiven Wave ebenso enthielt wie exaltierte Popsongs, kraftvollen Gitarrenrock und zerbrechliche Balladen.

"Disintegration" sollte nun wieder völlig anders werden. Robert Smith, schreibt er in den Liner-Notes zur Wiederveröffentlichung dieses epochalen Albums, beschäftigte sich damals viel mit Filmmusik und entwickelte daraus die Idee, Songs nicht mehr im 3-Minuten-Takt, sondern epischer, ausgefeilter und umfassender, zu entwickeln. So wurde, trotz des umfangreichen Songmaterials, die Zahl der Albumsongs schließlich konsquent eingegrenzt, manches Lied dafür jedoch auf die Dauer von zweien ausgedehnt. Das ermöglichte der Band, eine atmosphärische Dichte zu erzeugen, die keines ihrer vorigen Alben erreicht hatte. Schon der Eröffnungssong "Plainsong" gleicht einer Ouvertüre, deren Thema und Arrangement das Album gleichsam vorweg nimmt und eine Grundstimmung aufbaut, die bis zum Ende trägt.

Robert Smith

Unheilschwer und dunkel ist dieser Sound, gewaltig und Schmerz verzerrt, erfüllt von getragenen Melodien und Klängen, die sich in "Prayers for rain" in einem echten Gewitter entladen, bevor "The same deep water as you" nochmals tiefgründigere Verzweiflung suggeriert. Erst anschließend, weit nach den berühmten Single-Auskopplungen "Pictures of you", "Lovesong" und natürlich dem höchst ironischen "Lullaby" folgt das Herz- und Titelstück, das ruhelose "Disintegration", auch dies ein Gewitter, aber eines aus Worten, gehetzt wie in einem Fieberwahn, in dem Robert Smith seiner Wut freien Lauf lässt. Erst elf Jahre später mit "Bloodflowers" erreichten The Cure, dann schon in umbesetztem Lineup, eine vergleichbare Ausdrucksstärke.

Gemeinsam mit dem 1982 veröffentlichten "Pornography" erklärte Smith "Disintegration" und "Bloodflowers" zur "Dark Trilogy", die 2002 bei zwei denkwürdigen Konzerten im Berliner Tempodrom jeweils komplett live aufgeführt wurden (Der Mitschnitt wurde später auf DVD veröffentlicht). Die Songs von "Disintegration" bildeten 1989 schon den Kern der "Prayer"-Tour, mit dem The Cure ausgehend vom Roskilde-Festival im Mai bis zu Auftritten in den USA im September auf Welttour ging. Bei zwei Konzerten in der Londoner Wembley-Arena war dabei "Entreat" entstanden, ein Livemitschnitt von acht der 12 "Disintegration"-Songs, den The Cure zugunsten der Förderung von Kindern mit Lern- und Entwicklungsstörungen (mencap.uk) veröffentlichten.

Die Deluxe-Version von "Disintegration" enthält auch das ursprüngliche Entreat-Album, allerdings ergänzt um Liveversionen, die auf dem Original fehlten; darunter "Plainsong" sowie das nur selten auf Konzerten gespielte "The same deep water as you", "Lovesong" und "Lullaby". Wie schon bei den Deluxe-Wiederveröffentlichungen voriger Alben hat Robert Smith viel Detailarbeit auf einen kohärenten Zusammenschnitt verwendet, der den Entwicklungsprozess der Studioaufnahmen nachvollziehbar macht, angefangen von den ersten Demofassungen über die gemeinsamen Bandproben - bis zu den endgültigen Studioauffassungen - und deren Live-Inszenierung.


The Cure 1988/1989: Porl Thompson, Robert Smith, Simon Gallup, Boris Williams, Roger O'Donnell (v.l.)

Als I-Tüpfelchen gibt es erstmals die bislang nur als mp3-file durch das Internet segelnden "Pirate Ships". Der Coversong (das Original stammt von Judy Collins) war ursprünglich zum 40-jährigen Jubliäum von Elektra entstanden - jetzt beschließt er die Bonus-Disc mit insgesamt 20 Demoversionen und Studiotapes. Heute, im Jahr 2010, immerhin 21 Jahre nach "Disintegration" und 10 Jahre nach "Bloodflowers", scheint die Zeit reif für eine Anknüpfung an diese reife Bandphase. Mit Simon Gallup, natürlich Robert Smith selbst und dem zwischenzeitlich ausgestiegenen Porl Thompson, der 2005 zu The Cure zurückkehrte, ist der Kern der Band weiterhin vorhanden und, so hofft es die weiterhin treue und beträchtliche Fangemeinde, noch zu mancher Großtat fähig. Das bislang letzte Studioalbum "4:13 Dream" erfüllte diese Erwartungen noch nicht, aber, wie kürzlich in einem Fan-Forum zu lesen war: "Cure Fans sind komische Menschen. Gib ihnen eine 21 Jahre alte CD mit einigen neuen Versionen, dazu ne neue Microsite, und sie flippen völlig aus ..."

© Michael Frost, 24.05.2010

Künster Porträts THE CURE Porträt THE CURE Trilogy Concert next Microsite: thecuredisintegration.com


Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de

[Up]