Keine
Musiker, nur Musiker-Darsteller
Tatsächlich
enthüllt das grelle Scheinwerferlicht der jährlichen Preisverleihung
jedoch nur den dramatischen Zustand des heimischen Plattenmarktes, denn
in den wichtigsten Kategorien gilt nicht etwa die künstlerische
Qualität, sondern nur die (schwindende) Zahl verkaufter Tonträger
als Messlatte für die Nominierung. Das heißt: dieselbe Industrie,
die gerade für die Anerkennung der CD als Kulturgut (mit ermäßigtem
Mehrwertsteuersatz) streitet, führt beim Echo vor, dass es ihr
in Wirklichkeit nur um den größtmöglichen Absatz geht.
Geehrt wird nicht der innovativste Musiker, sondern der medienwirksamste
Musiker-Darsteller.
Und
so passiert es dann, dass unter den Nominierten in der Kategorie "Beste
Künstlerin Rock/Pop National" schließlich nur noch eine
Person zu finden ist, die den Namen "Künstlerin" überhaupt
verdient: Joy Denalane. Erhalten wird sie den Preis freilich nicht.
Das Rennen machen die mit ihr nominierten Karaoke-Sternchen "Jeanette",
"Gracia" und "Yvonne Catterfeld" sowie Sarah Connor,
die Nachtigall von Delmenhorst, unter sich aus. Echo sei Dank: Eine
dieser vier wird die Trophäe abräumen, ihren Ruhm mehren und
die Konten der Not leidenden Plattenindustrie füllen.