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Statt dessen erreicht ihre Experminentierfreude mittlerweile extreme Ausmaße. Im Frühjahr 2002 überraschten sie ihr Publikum mit dem Album "Electronico", auf dem sich die internationale Avantgarde des Electro-Pop an der digitalen Dekonstruktion diverser Madredeus-Stücke versucht, darunter so illustre Musiker wie Craig Armstrong, Alpha und Télépopmusik - und kaum ein halbes Jahr später taucht das Quintett aus Lissabon am entgegengesetzten Pol wieder auf, nämlich mit dem 75-köpfigen "Vlaams Radio Orkest" (Flämisches Radio Orchester) unter der Leitung des norwegischen Dirigenten Bjarte Engeset (Foto) und einem gut zweieinhalbstündigen Konzertmitschnitt, aufgenommen im April 2002 in der "Stadtsschouwburg" von Brügge. |
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Das Ereignis kann jetzt - nach der Veröffentlichung als DVD im vergangenen Herbst, in voller Länge auf 2 CDs genossen werden (EMI). Für Madredeus, sagt Gitarrist Pedro Ayres Magalhães, der auch die meisten Lieder der Gruppe schrieb, sei ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen. Als sich die Möglichkeit des Projektes im Zusammenhang mit der Wahl Brügges zur Kulturstadt Europas 2002 ergab, habe man nicht lange gezögert, sondern Antonio Vitorino d'Almeida mit dem Arrangement der Orchestersätze für das Konzert betraut. Das bedeutete immerhin ein 25 Lieder umfassendes Repertoire, darunter das komplette Album "Movimento", das Madredeus auf einer parallel geplanten Europa-Tournee vorstellen wollte. Die Originalarrangements der Stücke mit Magalhães und José Peixoto (klassische Gitarre), Fernando Júdice (akustische Bassgitarre) und Carlos Maria Trindade (Keyboards) blieben unverändert, und dennoch ist das Orchester dank der ausgefeilten Arbeit von Arrangeur d'Almeida und Dirigent Engeset weit mehr als eine - wenn auch vielköpfige - Begleitung. Immer wieder nämlich gelingt es dem Orchester, die ursprüngliche Atmosphäre der Lieder zu verändern. Der sehnsuchtsvolle, manchmal gar klagende Ton vieler Stücke wirkt vor dem Hintergrund der opulenten Streicher weicher, den dramatischeren Liedern verleihen Bläser zusätzliche Spannung; Flöten und Harfe sorgen gelegentlich für vorsichtige Fröhlichkeit, und wo nötig, dort bringen Pauken und andere Schlaginstrumente sogar mit ungewohntem Rhythmus den Madredeus-Sound in Wallung (fantastisch: "Palpitacão", "Alfama"). |
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Und über allem schwebt Teresa Salgueiro mit heller und reiner Stimme, leise in den Höhen, dann wieder kräftig und voller Wärme, leidenschaftlich und mit Hingabe, bereits mit den ersten Takten des Konzertes bis zur letzten Note. Die DVD spielt
die Stärken des Mediums aus. Die Kameraregie agiert behutsam und
unauffällig, und die Tatsache, dass das Konzert ungeschnitten in
voller Länge präsentiert wird, erhöht den Reiz um ein Vielfaches
gegenüber Produktionen, die lediglich Ausschnitte präsentieren.
Durch den "unzensierten" Blick gewinnt das Ereignis einen authentischen
Charakter und das Gefühl, selbst im Saal anwesend zu sein: Die "Euforia"
überträgt sich auch via Fernsehgerät. Doch auch die CD,
die ebenfalls sämtliche 25 Titel des Auftritts in Brügge enthält,
unterstreicht die außergewöhnliche Qualität des Quintetts.
Der stimmungsvolle Eindruck wird durch die exzellente Akustik nur noch
verstärkt. |
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Eine Überraschung ist das nicht. Edith Piaf war "der Spatz von Paris". Salgueiro dagegen ist der Spatz von Lissabon. Und nun auch von Brügge. © Michael Frost, 07.12.2002/14.03.2003 |
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MADREDEUS
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