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Die
meisten Bands kommen bis Hamburg, wenige bis Bremen - und dort ist
spätestens Schluss. Doch drei Jahre nach ihrem "MTV-Unplugged"-Konzert
erreicht der Tourplan der Fantastischen Vier auch die Hallen in
Randlage. Orte, an denen die Stars nicht nur auf gut gelauntes,
sondern vor allem dankbares Publikum treffen. Über viertausend
sind es an diesem Abend, die das "Unplugged"-Konzert der
"Fantas" live erleben wollen. Das Quartett kommt in der
Tat mit rein akustischer Begleitung: eine Streichergruppe, Flötisten,
Gitarristen und Percussionisten. Außerdem an Bord: Lillo Scrimali
(Vibraphon, Tasteninstrumente), der die Arrangements für die
Unplugged-Session schrieb - der Fünfte der Fantastischen Vier.
Die Hip-Pop-Band, inzwischen in der zweiten Hälfte der 30er
angelangt, entfacht auf der Bühne ungeahnte Power. Energie
geladen und kraftvoll, als handelte es sich um die Tour-Premiere
(tatsächlich ist es der vor-vorletzte Gig), führen sie
das begeisterte Bremerhavener Publikum an diesem Abend durch über
10 Jahre "Fanta Vier".
Ihre
erste Platte "Jetzt geht's ab" ist von 1991, und sie gehört
zu den ersten Hiphop-Alben in deutscher Sprache überhaupt.
Bereits ein Jahr später kam der Durchbruch mit "Die da".
Der Mega-Hit brachte den Fantas allerdings nicht nur Ruhm und Reichtum,
sondern auch Kritik ein: Kein ernsthafter Hiphop sei das, sondern
Pop, oder schlimmer noch: spätpubertärer Schlager mit
Sprechgesang. Vielleicht deshalb ist "Die da" der einzige
Hit der Fantastischen Vier, auf den das Bremerhavener Publikum an
diesem Abend verzichten muss. Egal, so bleibt mehr Zeit für
die besseren Songs: "Die Stadt die es nicht gibt", "Schizophren",
"Buenos Dias Messias", "Millionen Legionen",
"MfG" und "Tag am Meer".
Wie
wenig die Fantastischen Vier von der reinen Lehre halten, ist
aber auch elf Jahre nach "Die da" in Bremerhaven zu
besichtigen. Auf der Basis von Hiphop und Rap kreieren sie ihren
eigenen Sound, angereichert mit Pop, Funk, Reggae und Drums &
Bass. Die "Unplugged"-Versionen ihrer Songs ermöglichen
ihnen eine zusätzliche stilistische Erweiterung, wenn etwa
"Millionen Legionen", vielleicht ihr bester Song überhaupt,
eine psychedelische Aura aus Sitar, schnarrenden Geigen, drängendem
Rhythmus und der eindringlichen Stimme von Thomas D. ausbreitet:
"Ich hab' Millionen Legionen hinter mir."
Der
dramaturgische Höhepunkt der Show liegt zu diesem Zeitpunkt
jedoch schon hinter dem Publikum: Als nämlich Thomas D. die
Kettensäge anwirft, reißt es auch den letzten unterkühlten
Norddeutschen aus den Sitzen. Das ist der Auftakt zu "Schizophren",
der Titel, mit dem sich Smudo, Thomas D., And Y. und Hausmarke am
weitesten von ihrer eingängigen Mischung aus rhythmischem Sprechgesang
und groovenden Beats entfernen - und dabei die dunkle Seite ihres
Potenzials entfalten: laut, dröhnend, finster und bedrohlich.
Inzwischen
tanzt die ganze Halle, und auch die Kadetten in ihren Matrosenuniformen
springen im Takt der beiden Schlagzeuger frenetisch auf und ab,
bis das Konzert nach knapp zwei Stunden zu Ende geht - jedoch nicht
ohne hoffnungsvollen Ausblick auf weitere Tage am Meer: vielleicht
mit dem neuen Album der Fantastischen Vier im nächsten Jahr.
Text:
© Michael Frost, 21.09.2003
Fotos: © Stefanos Notopoulos/Four Music
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