Natürlich ist der Grandprix immer auch ein Politikum. Nicht nur,
weil man immer schon vorher weiß, dass Griechenland und Zypern
sich gegenseitig mit Höchstwertungen bedenken werden. Der belgische
Beitrag löste den ständigen Konflikt zwischen französisch-
und flämischsprachigen Landesteil, indem die Folkpop-Band "Urban
Trad" einfach in einer Phantasiesprache sang. Das klang schön
und war außerdem, wie Hape Kerkeling in einem Kommentar bemerkte,
"praktisch, weil sie sich keinen Text merken müssen",
und wurde überraschend mit dem zweiten Platz belohnt. Damit landeten
die Belgier noch vor den russischen Trümmertauben von "tatu",
die sich nun folgenden Spruch übers (gemeinsame ?) Bett hängen
können: Ein inszenierter Skandal macht noch keinen Sieger.
Und
auch die Bilanz der traditionellen deutsch-österreichischen Rivalität
geht voll in Ordnung. Wohl nach dem Motto "Wenn schon bekloppt,
dann aber richtig" stellte Kabarettist Alf Poier den Gaga-Pop
eines Guildo Horn weit in den Schatten und hängte auch den diesjährigen
Beitrag Deutschlands "Lou" mit ihrem einfältigen Pop
von der Stange mehr als deutlich ab: Er wurde sensationell Sechster,
sie endete schmeichelhaft im Mittelmaß.