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Mehr
als tausend Worte
BJÖRK: KURZAUFTRITT FÜR ARTE IN HAMBURG von Michael Frost |
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nehme einen Szene-Veranstaltungsort, dekoriere die Bühne mit weißen
Laken, stelle ein paar Blumenvasen auf und lade prominente Künstler
nebst "Special Guest" zu einem privaten Konzert. So einfach und
doch wirkungsvoll ist das Konzept der Reihe "Music Planet 2Nite",
die seit Herbst 2001 alle 14 Tage auf ARTE ausgestrahlt und von MTV-Veteran
Ray Cokes moderiert wird. Aufnahmeorte sind im Wechsel das Pariser "Reservoir"
und eine Location in Hamburg wie z.B. das "Grünspan" mitten
auf St. Pauli. Dort konnten am 4. März ca. 250 geladene und geloste
Gäste einen kurzfristig angekündigten Miniauftritt von Björk
erleben, der im Mai 2002, ergänzt um ein ausführliches Interview,
auf ARTE ausgestrahlt wurde. |
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Tatsächlich erleben die hingerissenen Gäste eine widersprüchliche Persönlichkeit, deren ungemeiner Faszination sich niemand wirklich zu entziehen vermag, obwohl nicht eindeutig beschrieben werden kann, worin das Charisma der außergewöhnlichen Isländerin genau besteht, denn einen direkten Kontakt zum Publikum stellt sie, so meint man, zu keinem Zeitpunkt her, trotz des familiären Rahmens wirkt Björk seltsam distanziert und abwesend - und dennoch aufwühlend und mitreißend.
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| Kaum
beginnen die ersten Takte des Abends, scheint Björk völlig in
die Tiefen ihrer Musik abzutauchen. Sie sieht durch das Publikum hindurch,
scheint dessen Reaktionen nicht wahrzunehmen, und der Applaus, der sie nach
Liedende in die Wirklichkeit zurückholt, scheint sie zu irritieren
und zu überraschen, um ihn dann doch mit einem schüchternem Lächeln
zu quittieren, in welchem wir für einen kurzen Moment die Selma aus
"Dancer in the dark" wiedererkennen, dann schüttelt sie ihre
Hände aus, als müsse sie irgendwelche Verkrampfungen lösen,
bis sie schließlich im nächsten Lied verschwindet. Man sieht sie, wie sie sich entrückt fast linkisch zum Rhythmus der eigenen Musik bewegt, man hält sie für zart, weich und verletztlich, doch ihre Stimme ist vom ersten Moment an intensiv, lebendig und ausdrucksstark. Ihr Gesang ist voller Kraft und Energie und wird kongenial begleitet von den Computerklängen des Matmos-Duos und der Harfe. |
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BJÖRK
BEI
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Matmos
erzeugen Geräusche, indem der eine mit seiner Hand, in der er ein
winziges Mikrofon führt, sanft über den Rücken, den Nacken
und die Haare des anderen streicht; die fast zärtlichen Berührungen
der beiden Klangkünstler werden als akustische Impulse Teil der Musik
und verstärken die intime Spannung des leisen "Cocoon". Michael
Frost, 6. März 2002 |
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P.S. Ach ja. Special Guest im "Grünspan" war Matthew Herbert, der "Radio Boy" genannt werden wollte. Herbert hat sich u.a. durch seinen Remix von Björks "Pagan Poetry" empfohlen. Im "Grünspan" zerlegt, zerbeißt und zerreißt er die Insignien des Spätkapitalismus, darunter die BILD-Zeitung, zwei "Bigmacs", ein Schwarzenegger-Video und eine CD der Retorten-Popband "Bro'sis" unter dem Jubel der Zuschauer in ihre Einzelteile und formt die dabei entstehenden Geräusche am Sequenzer zu traumatischen Turbo-Techno-Tönen neu zusammen. Das
gelungene Klangexperiment steht dabei im Widerspruch zur banalen Symbolik
der von ihm verwerteten Gegenstände, die auch durch den Höhepunkt
seiner Show, nämlich das Zertrümmern eines Fernsehgeräts
mit dem Vorschlaghammer, nicht eben origineller wurde. Aber im Mai könnt
ihr euch von beiden Auftritten selbst ein Bild machen. Wo ? Natürlich
wiederum im Fernsehen. Manche nennen das Dialektik.
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