Wie wichtig ist es Euch, sich sozial zu engagieren?
Pola: Es gibt nur wenige Dinge, die so befriedigend sind, als sich
für andere Menschen einzusetzen und nützlich zu machen.
In unseren Texten äußern wir uns immer wieder zu bestimmten
sozialen und gesellschaftlichen Themen. Es ist unsere Motivation,
anderen Leuten bestimmte Dinge bewusst mitzuteilen. Es gibt einige
Organisationen, die wir gerne unterstützen. Dazu gehören
beispielsweise die DKMS, über die wir gerade sprachen, aber auch
die Tibetinitiative und Ärzte ohne Grenzen. Es ist uns wichtig
mit solchen Organisationen länger zusammen zu arbeiten. Wenn
man mitverfolgen kann und weiß, worum es geht, dann macht es
am meisten Spaß.
Lass uns jetzt über Euer neues Album
sprechen. "Gekommen, um zu bleiben", hieß die erste
Single daraus. Wie fühlt man sich, nachdem der in dem Song geäußerte
Wunsch in Erfüllung gegangen ist?
Pola: Da war schon viel Ironie und Humor dabei, diesen Song als erste
Single auszukoppeln. Im Vorfeld der Platte wurden wir mit einem Erwartungsdruck
konfrontiert. Wir fanden es lustig, diesen mit einem patzigen und
ironischen Song zu kommentieren. Wir freuen uns natürlich sehr,
dass das Album eine positive Aufnahme bei den Fans gefunden hat. Bei
den Konzerten haben wir jetzt doppelt so viele Songs zur Auswahl als
vorher.
Habt Ihr den Song bewusst geschrieben, um
allen zu sagen: "Schaut her, wir sind keine Eintagsfliege!"?
Pola: Nein nicht deshalb. Als der Song entstand, hatten wir uns viel
mit dem bereits erwähnten Erwartungsdruck auseinanderzusetzen.
Der Song war für uns wie ein Befreiungsschlag. Wir haben uns
damit lustig gemacht über das Phänomen, dass Bands hoch-
und niedergeschrieben werden.
Weshalb habt Ihr ihn im Jazz-Stil geschrieben?
Pola: Judith und Jean haben sich getroffen und kamen mit einem Demo
im Charleston-Jazz-Stil zurück. Im Studio haben wir dann einen
Helden-Song daraus gemacht ohne auf die die Charleston-Anklänge
ganz zu verzichten. Wir haben die Weise nicht bewusst im jazzigen
Gewand eingespielt. Ich denke ein Großteil der Musik entsteht
unbewusst, ganz einfach so.
Den Song Zuhälter empfinde ich als einen
Protestsong gegen die Musikkonzerne, die als böser Zuhälter
der Musiker dargestellt werden. Wie war die Reaktion Eurer Plattenfirma
auf das Lied. Fühlte die sich etwa auf den Schlips getreten?
Pola: Als wir den Songs erstmals unserer Plattenfirma vorgespielt
hatten, sagten wir gleich: "Ihr seid damit aber nicht gemeint".
Aus meiner eigenen Beobachtung weiß ich aber, dass es viele
Leute gibt, bei denen die ursprüngliche Motivation ihrer Arbeit,
nämlich die Liebe zur Musik, verloren gegangen ist. Musik dient
ihnen einzig und allein als Mittel zum Zweck. Ihnen geht es nur noch
darum, Musik zu verkaufen. Aus unserer eigenen Beobachtung heraus
ist dieser Song entstanden. Unsere Plattenfirma "Labels"
geht sehr würde- und respektvoll mit ihren Bands um. Sie zwingen
ihre Gruppen nicht zu etwas, was sie nicht machen möchten.
Die Idee zu eurem aktuellen Video "Nur
ein Wort" ist zwar bei Bob Dylans "Subterranean Homesick
Blues" abgekupfert, aber die Verbindung zwischen den Karten in
der Hand mit Worten darauf und der Bedeutung, die hinter dem Lied
steckt, ist nicht zu übersehen
Wie siehst Du diese gedankliche
Verbindung?
Pola: Klar gibt es eine Paralelle. Mit dem Video kommentieren wir
einen Song, in dem es um einen Protagonisten geht, der seinen Mund
nicht aufkriegt. Genauso stumm agieren auch wir im dazugehörigen
Video, in dem wir wie einst Dylan, die Karten mit Wörtern auf
den Boden werfen. Unser Musikfilm ist als Hommage an Dylan gedacht.
Sein Musikstreifen ist die Mutter aller Musikvideos. Wir fanden es
total klasse diesen Musikfilm mit seiner genial einfachen Idee anzuzitieren
und zu verändern.