Auch die Szene der jüngeren deutschen Jazz-Pianisten befindet sich
im Aufbruch. Neben Michael Wollny darf der 1977 in Detmold geborene
Florian Weber mit seiner im Oktober 2006 erschienenen CD "Minsarah"
zu den großen Talenten gezählt werden, die in der klassischen
Trio-Formation nach neuen Wegen suchen. Schon der Titel des Albums spielt
darauf an: "Minsarah" kommt aus dem Hebräischen und bedeutet
übersetzt "Prisma", was die drei Musiker FlorianWeber,
der amerikanische Bassist Jeff Denson und der in Israel geborene Drummer
Ziv Ravitz ausdrücklich - im Booklet wird es verraten - auf ihre
gemeinsame Suche nach neuen Klangfarben und Formideen beziehen.
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Florian Weber
Jeff Denson
Ziv Ravitz
MINSARAH
Enja Records, 2006
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Sie
verstehen sich als gleichrangige Instrumentalisten wie Komponisten,
alle tragen zu den 9 Eigenkonpositionen bei, das Mittelstück "E.S.P."
ist von Wayne Shorter, der kurze Song "New World" ist ein
Filmtitel von Björk (aus einem Film, bei dem alle drei geweint
hätten, wie im Presse-Info berichtet). Ihre Musik ist eine hochintelligente
und vielfältige Collage aus unerschiedlichsten musikalischen Elementen,
da wechseln die Farben so schnell wie die Rhythmen, da werden Rythm&Blues-Riffs,
hochkomplexe Strukturelemente mit Balladenstimmungen verwoben. Florian
Weber, der seine Mitstreiter am Berklee College of Music in Boston kennen
gelernt hat, gibt sich - im Auftakt eines seiner schönsten Stücke,
"Nuage" - als Schüler von Brad Mehldau zu erkennen, ohne
jedoch als Epigone aufzutreten. Er arbeitet weniger streng kontrapunktisch,
er setzt auf große romantische Gesten und auf RocknRoll-Riffs,
auf kräftige Akkord-Folgen, die die Musik dieses Trios weniger
einheitlich und schmerzhaft melancholisch wirken lassen, als das Mehldau-Trio.
"Minsarah" ist das äußerst verspielte Konglomerat
musikalischer Erfahrungen der amerikanischen Westküste (Jeff Denson),
der Ostküste (Ziv Ravitz) und Europas (Florian Weber). "Wir
haben in ganz unterschiedlichen Teilen dieser Welt Konzerte gegeben",
sagt Florian Weber im Presse-Info. Improvisierte Musik begreift er als
einen Dialog mit dem Zuhörer, als Begegnung mit anderen "Hörkulturen".
Er betont den radikalen Bruch mit seinen Hörgewohnheiten und weiß
doch zugleich auch, wie sehr ihm die Sozialisation in der Familie -
die Mutter Opernsängerin, der Vater Universitätslehrer mit
dem Schwerpunkt Kunstlied - geformt hat. Man wünscht diesem Trio,
dass es zusammen bleibt, um ihre aufregende Mischung aus Free Jazz,
neuer Musik, spielerischer Leichtigkeit und hohem Anspruch weiter zu
entfalten.
©
Hans Happel, Februar 2007