Wie
schafft man es, bei all dem Erfolg auf dem Teppich zu bleiben?
Richard: Indem wir die gleichen Leute geblieben sind, die wir zu Anfang
unserer Karriere waren. Wir lieben noch immer die Musik. Die zweite
Platte eröffnete uns die Möglichkeit, die bestehenden Probleme
zwischen uns anzusprechen und zu lösen. In unserer Band gibt
es keinen Führer, der über ein paar Sessionmusiker regiert.
Wir sind nicht Lenny Kravitz, sondern drei ehemalige Schulfreunde,
die gemeinsam eine Band ins Leben gerufen haben.
Was denkst Du: Werden die Fans und Radiostationen
Euch auf euren neuen musikalischen Pfaden begleiten?
Richard: Die ersten Konzerte, die wir nach Aufnahme unseres neuen
Werks spielten, haben uns gezeigt, dass die Leute unsere neuen Stücke
genießen. Manchmal, wenn eine Band einen neuen Song spielt,
dann gehen die Leute an die Bar, um einen zu trinken. Das haben sie
bei uns Gott sei Dank nicht gemacht. Wir machen uns keine großen
Gedanken über Marketingstrategien und Radioeinsätze.
Das Piano auf eurem neuen Album klingt streckenweise
wie eine Gitarre. Wie habt ihr das bewerkstelligt?
Richard: Indem wir, wie bei einer Gitarre, Effektgeräte und Verstärker
an das Piano angeschlossen haben. Dadurch erzielten wir einen Sound,
der so dunkel und zornig klang, wie unsere Texte. Damit haben wir
bewiesen, dass man keine Gitarren braucht um eine solch dynamische
Musik zu erzeugen.
Habt ihr niemals daran gedacht, einen Gitarristen
zu verpflichten?
Richard: Nein. Wir wuchsen zusammen auf. Ich kenne die anderen seit
meiner Kindheit. Außerdem kennen wir keinen Gitarristen. Zudem
haben wir mit unserer neuen Platte bewiesen, dass wir keinen benötigen.
Was würde uns ein Gitarrist in musikalischer Hinsicht bringen?
Wir sind eine Rockband, die sich nicht an bestimmte Spielregeln halten
muss. Es gibt keine Regel, die besagt, dass eine Rockband über
einen Gitarristen verfügen muss. Man tritt in eine Band ein,
weil man nicht in einer Welt voller Regeln und Beschränkungen
leben möchte. Wer das nicht verstehen will, hat nicht verstanden,
worum es bei Musik wirklich geht.
Ein
Stück heißt "Hamburg Song". Welche Erinnerungen
verbindest Du an die Stadt Hamburg?
Richard: Ich war einmal im Rahmen eines Schüleraustausches in
Hamburg. Tim hat die ersten Demoaufnahmen zu dem Song in Hamburg eingespielt.
Das ist der Grund, weshalb der Song "Hamburg Song" heißt.
An das Studio kann ich mich noch sehr gut erinnern, nur dessen Name
ist mir leider entfallen.
Das Lied klingt sehr feierlich, hat fast
schon einen klassischen Anstrich. Steckt dahinter ein bestimmter Grund?
Richard: Wenn ich ehrlich bin, stehen wir alle drei nicht so auf klassische
Musik. Ich denke es ist einfach nur ein trauriges Lied: Es handelt
sich um einen Appell von Tim an Tom, ihre Freundschaft wieder zu entdecken
und zu bewahren. Es ist eine sehr direkte Aussage, die sich musikalisch
in dem nackten, puren, unverfälschten Orgelsound des Stückes
wieder spiegelt.
Bei Rock im Park waren jede Menge englische
Bands mit von der Partie. Weshalb lieben die Deutschen Musik aus dem
Vereinigten Königreich?
Richard: Ich denke, das liegt daran, dass es in der englischen Musik
seit jeher eine starke Tradition gibt, Lieder mit schönen Melodien
zu schreiben. Nimm zum Beispiel die "Zutons": Sie schreiben
eingängige Weisen. Auch wenn jemand in Deutschland der englischen
Sprache nicht mächtig ist, so gehen ihm doch die Melodien sofort
ins Ohr und verführen ihn. Das ist denke ich der Grund, weshalb
sich englische Bands großer Beliebtheit in Deinem Lande erfreuen.
Wie
denkst Du über die Rock- und Popwelle, die derzeit in England
grassiert?
Richard: In Großbritanien hatten wir schon immer eine gesunde
Musikszene. Das ganze hat natürlich, wie immer seine guten und
schlechten Seiten. Trotz der Tatsache, dass die Bands wie Pilze aus
dem Boden schießen, habe einige Live-Musik-Clubs ihre Pforten
schließen müssen.
Wenn Ihr für ein Festival engagiert werdet, achtete ihr darauf,
welche anderen Bands mitspielen?
Richard: Klar. Bei Rock im Park haben wir mitgespielt, weil das Line
Up klasse war. Wir sind hier noch nie aufgetreten. Es freut uns, mal
wieder auf einem neuen Festival spielen zu dürfen. Selbstverständlich
bietet ein Open Air auch die prima Gelegenheit, andere Gruppen hautnah
zu verfolgen.
Ein Song auf Eurer neuen Scheibe nennt sich
"Crystal Ball - Kristallkugel". Wenn Du jemals in einen
solche Kugel schauen könntest, was sollte die Zukunft für
dich bringen?
Richard: Ich denke man sollte sich keine großen Gedanken über
die Zukunft machen. Wenn man zuviel darüber nachgrübelt,
was einmal sein könnte, dann hält einen das nur davon ab,
das zu tun, von dem du überzeugt bist, dass es richtig ist. Deshalb
will ich gar nicht wissen, was einem die Kristallkugel zu sagen hat.
Aber eine Deutschlandtournee wird es doch höchstwahrscheinlich
geben, oder?
Richard: Sicher. Wobei wir schon die ganze Zeit durch Europa touren.
Dabei kommen die deutschen Fans besonders gut weg. Von den elf Konzerten,
die wir bislang gaben, fanden, Rock im Park und Rock am Ring eingerechnet,
vier in Deutschland statt. Das ist mehr als unsere englischen Fans
bislang hatten. Im Herbst kehren wir zu unseren deutschen Fans zurück.
©
Stephan Stöckel, September 2006