„Nachtbaden“ gegen den Frust
Das macht gute Laune und bringt der Gruppe „Madsen“ Erfolg
von Stephan Stöckel



Verschlafene Provinznester gibt es überall. Wo tote Hose und gähnende Langeweile herrschen. Dieses Gefühl der provinziellen Eintönigkeit hat die Gruppe „Madsen“ musikalisch eingefangen: „Hättest du nicht Lust, mit mir den Abend zu verbringen, gegen den Frust. Wir könnten Nachtbaden gehen“, heißt es in dem Song „Nachtbaden“. Damit traf die Gruppe den Nerv der Fernsehzuschauer bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ und landete für ihr Heimatland „Niedersachsen“ auf den vierten Rang.
Die Jungs von „Madsen“ stammen selbst aus einem solchen Ort: aus Prießeck im Wendland, einer Region, die bislang durch ihre Anti-AKW-Demos bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Seitdem Johannes (Gitarre), Sebastian (Gesang und Gitarre) und Sascha (Schlagzeug) Madsen zusammen mit Niko Maurer (Bass) und Folkert Jahnke (Keyboard) als „Madsen“ abrocken, ist die Gegend auch für Rockfans kein böhmisches Dorf mehr.


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In der Poppunkhymne „Nachtbaden“ spiegeln sich eigene Erfahrungen der Bandmitglieder wieder. Schlagzeuger Sascha gibt ohne Umschweife zu: „Bei uns zuhause war das Nachtbaden das Aufregendste, was man machen konnte.“
Aufregend ging es im vergangenen Jahr für die Musiker beim „MTV Bandtrip“ zu. Der Fernsehsender schickte die fünf jungen Herrschaften aus Niedersachsen ohne Kohle durch halb Europa. Um welche Erfahrungen hat sie die nicht alltägliche Reise reicher gemacht? „Da wir blank waren, mussten wir uns das Geld für Sprit, Essen und Übernachtung erspielen. Wir kamen uns vor wie Straßenmusikanten, wuchsen zugleich aber auch stärker zusammen“, erzählt Sascha.
Verglichen mit dieser Odyssee erscheint ihm das Tourleben im komfortablen Reisebus, umgeben von Managern und Roadies, wie purer Luxus. Derzeit ist man wieder unterwegs zwischen Flensburg und Berchtesgaden, um die Stücke des neuen Albums „Frieden im Krieg“ den Anhängern des melodiösen Indie-Rocks deutscher Zunge nahe zu bringen.
Niemand geringeres als Erfolgsproduzent Olaf Opal („The Notwist“/“Juli“) trug sein Scherflein dazu bei, dass das dritte „Madsen“-Opus in den Hitlisten ganz oben landete, Für Sascha war es eine Herausforderung, zugleich aber auch ein Sprung ins kalte Wasser, mit ihm zusammenzuarbeiten. Obgleich man sich nicht kannte, habe es gleich gefunkt: „Wir schwammen auf der gleichen Wellenlänge.“
Ein Studiomoment ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Olaf schickte Sänger Sebastian bei der herzergreifenden Ballade vom „Astronauten“ vor die Türe, wo dieser zehn Minuten rumbrüllen durfte. Das Ergebnis: Seine kraftvolle Stimme klang nun leise und zerbrechlich. „Zunächst dachte ich: ‚Was macht er da?’ Als sich ein ganz besonderer Zauber über die Weise gelegt hatte, erkannte ich: ‚Die Aktion hat Sinn gemacht’“, erinnert sich Sascha.
„Halte diesen Augenblick fest, er wird dich begleiten für schlechte Zeiten“, singt die Gruppe in dem Stück „Grausam und schön“. Welche Momente aus seinem Musikerleben würde Sascha am liebsten für immer festhalten? „Die Euphorie, die wir derzeit bei unseren Konzerten erleben“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Für ihn ist die Tour der totale Wahnsinn. Der Drummer schwärmt von ausverkauften Konzerten und erzählt vom Gig in München, bei dem 1500 Fans aus dem Häuschen waren: „Die Woge der Begeisterung schwappte bis zur Bar.“


Noch schwappt sie in den Hallen und Clubs, doch frühestens im Mai wird sie sich ihren Weg zu den Freiluftfestivals bahnen. „Rock im Park“, „Southside“, „Highfield“ – die Jungs von „Madsen“ rocken auf fast allen großen Megafestivals. Da empfindet es Sascha geradezu als wohltuend, auch einmal auf einem kleinen, idyllischen Open Air spielen zu dürfen. Die Atmosphäre sei dort familiärer. Man könne an Buden vorbeischlendern und zu den Fans „Hallo!“ sagen. „Man kommt mit den Besuchern viel mehr in Kontakt als bei den großen Festivals, auf denen alles reglementiert ist.“
Ein kleines, aber feines Festival wartet am 31. Mai auf das Quintett: In der Lucas-Cranach-Stadt Kronach wollen sie auf der Feste Rosenberg dem Motto „Die Festung rockt“ alle Ehre machen. Nach dem MTV-Bantrip müssten die Jungs eigentlich fit in Geographie sein. Was fällt Sascha spontan zur Stadt Kronach ein? Nichts. „Der Ort war bislang ein weißer Fleck auf unserer Tourneelandkarte.“ Aber eben nur bislang…

© Stephan Stöckel, Mai 2008

MADSEN KONZERTTERMINE
31.05.2008  Kronach,
Die Festung rockt
07.06.2008  Nürburgring,
Rock am Ring Festival
08.06.2008  Nürnberg,
Rock im Park Festival
14.06.2008  Berlin,
Berlin 08 Festival
21.06.2008  Scheeßel,
Hurricane Festival
22.06.2008  Neuhausen ob Eck,
Southside Festival
27.06.2008  Marburg,
Uni Fest
05.07.2008  Lüchow,
Earthquake Festival
02.08.2008  Freising,
Prima leben und stereo
03.08.2008  Trebur,
Trebur Open Air
15.08.2008  Hoyerswerda,
Populario-Festival
16.08.2008  Hof bei Salzburg,
Frequency Festival
17.08.2008  Hohenfelden,
Highfield Festival
21.08.2008  CH - Winterthur,
Musikfestwochen
22.08.2008  Püttlingen,
Rocco Del Schlacko Festival
30.08.2008  Lüdinghausen,
Area 4 Festival
16.10.2008  Rostock,
Mau Club
18.10.2008  Aschaffenburg,
Colos-Saal
22.10.2008  Erlangen,
E-Werk
25.10.2008  Leipzig,
Werk II
26.10.2008  Potsdam,
Schinkelhalle



 


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