Wir
haben an dieser Stelle bereits vielfach über die aktive Musikszene
Norwegens berichten können. Fast immer ging es in diesen Beiträgen
um die kühle Eleganz elektronischer Beats und kristallklare Sounds,
die man in der Regel als direkte Entsprechung nordischer Landschaften
empfindet, ihre schroffe Schönheit und spröde Erhabenheit
empfanden. Andererseits haben wir uns immer wieder mit traditioneller
und moderner arabischer Rhythmik beschäftigt. Mit dem Raï
Algeriens, der in Sachen Energie und Lebendigkeit dem Reggae in nichts
nachsteht, oder mit der traditionellen Musik der Gnawa, einem Volk,
das vor vielen Jahrhunderten von Schwarzafrika in die Maghrebländer,
vor allem nach Marokko flüchtete. Die Musik der Gnawa wird bei
spirituellen Zeremonien, die sich manchmal über mehrere Tage
erstrecken eingesetzt. Naturgemäß hat ihr gleichförmiger
Rhythmus tranceartigen und hypnotisierenden Charakter.
Was
passiert nun, wenn diese beiden vermeintlich so verschiedenen Stile
aus Nord und Süd aufeinander treffen? Kommt es zum gefürchteten
"Clash of Civilizations", also letztlich der Feststellung
der Unvereinbarkeit von Okzident und Orient? - Oder erwächst
aus dem Zusammenprall etwas Neues, Zukunftsweisendes?
Michy
Mano würde die Frage vermutlich als zu theoretisch ablehnen.
Tatsächlich hat er sie in der Praxis bereits beantwortet. Der
gebürtige Marokkaner kam mit Anfang Zwanzig nach Norwegen und
schlug sich zunächst als Straßenmusiker durch. Schon bald
muss er erkannt haben, dass es in der Musik seiner Vorfahren und westlichen
Clubsounds durchaus Gemeinsamkeiten gab. Ein Techno-Rave hat für
die, die ihm beiwohnen, unter Umständen keine religiöse
Bedeutung, aber unter dem Strich ist die Funktion von Techno und Trance
der Gnawa-Musik durchaus vergleichbar.
So
begann Michy Mano seine Karriere als DJ in den Clubs von Oslo und
bemühte sich parallel um engere Verbindungen zwischen immigrierten
Musikern und der norwegischen Jazzszene. So traf er auf Bugge Wesseltoft,
einen der wichtigsten Erneuerer des Jazz in Norwegen. Wesseltoft experimentiert
seit Jahren mit verschiedenen Stileinflüssen auf den Jazz, mixte
ihn mit Rock, Ambient, Elektro, Techno, Hiphop und Dance. Und nun
eben auch mit traditioneller marokkanischer und Gnawa-Musik.