IL POETA DI CORTE
Angelo Branduardi am Hofe der Gonzaga

Der Hof von Mantua


Nach seinem letzten Projekt, der musikalischen Interpretation der Pilgerreisen des Heiligen Franz von Assisi, beschäftigt sich Angelo Branduardi auch auf seinem neuen Album wieder mit einer weit zurückliegenden Epoche, in der zum Teil auch seine eigene Musik wurzelt.
Schon immer galt der gebürtige Lombarde, dessen exaltierte Haarpracht im Gegensatz zu seinem introspektiven Gesang steht, nämlich als "moderner Minnesänger", dessen sanfte Popballaden und temperamentvolle Tarantellen vor allem in den 70er und 80er Jahren in ganz Europa zu großen Erfolgen wurden.


Lange Zeit hat er sich, mal kokett, mal ernsthaft, gegen dieses Image gewehrt, das eine oder andere Popalbum produziert, mit lateinamerikanischen Rhythmen experimentiert oder Texte von Che Guevara und García Lorca vertont.

Die Rückbesinnung begann 1996 mit dem ersten Album der Serie "Futuro Antico", dessen dritter Teil gerade in Italien vorgestellt wurde. "Futuro Antico" präsentiert jeweils andere Epochen der europäischen Musikgeschichte. Auf dem ersten Teil sind überwiegend Minnesang und andere Sangspruchdichtungen aus dem Mittelalter zu hören, während "Futuro Antico II" Lieder und Orchesterwerke aus der Zeit der Patriarchen von Aquileia thematisiert. Die Patriarchen waren im ausgehenden Mittelalter und im einsetzenden Rinascimento sowohl weltliche als auch kirchliche Herrscher in der heutigen Provinz Friaul.

Angelo Branduardi © Mauro Pinardi
© Mauro Pinardi


Mit "Futuro Antico III" erreicht Branduardi nun den Hof der Gonzaga-Dynastie im lombardischen Mantua. Die Geschichte der Stadt, die eine Gründung der Etrusker ist, reicht ins 6. Jahrhundert v.C. zurück. Die Familie der Gonzaga herrschte in Mantua ganze dreihundert Jahre (1328-1628) und etablierte in dieser Zeit ein ausgeprägtes Mäzenatentum, von dem einige der bedeutendsten bildenden Künstler der damaligen Zeit profitierten, darunter Pisanello, Rubens, Perugino, Correggio und Tizian, außerdem Musiker wie Claudio Monteverdi, Italiens wichtigster Komponist im 15./16. Jahrhundert.


Musik spielte bei Hofe eine herausragende Rolle. Sowohl Monteverdi als auch viele andere (z.B. Marco Cara und Bartolomeo Tromboncino) standen direkt im Dienst der Adelsfamilie, der sie einige ihrer wichtigsten Kompositionen widmeten und so zum Prestige des Hofes beitrugen.
Gemeinsam mit der Orchesterleiterin Francesca Torelli und dem Ensemble "Scintille di Musica" interpretiert Angelo Branduardi mehr als dreißig Stücke aus der Epoche der Gonzaga, allesamt nach historischem Vorbild in Szene gesetzt.

Branduardi (li.) mit Orchesterleiterin Francesca Torelli (Mi.) © Mauro Pinardi
Das Teatro Bibiena in Mantua © Mauro Pinardi


Sowohl die Musik des Hofes als auch einige traditionelle Volksweisen der Lombarden wurden für den dritten Teil von "Futuro Antico" ausgesucht, darunter sowohl Instrumentalwerke als auch von Branduardi interpretierte Lieder. Ende Oktober 2002 wurde die Musik erstmals öffentlich bei einem Konzert im ehrwürdigen Teatro Bibiena von Mantua vorgestellt. Eine weitere Aufführung ist für Sommer 2003 im Gespräch, wiederum in Mantua, aber eine Tournee, sagt Branduardi, sei nicht vorgesehen.

"'Futuro Antico' ist ein paradoxes Begriffspaar", sagt Branduardi. Es symbolisiere seine Absicht, die Türen zu einer vernachlässigten und etwas in Vergessenheit geratenen Musik aufzustoßen und den direkten Zusammenhang zwischen der "alten" Musik und der Gegenwart zu verdeutlichen.


Das beherrschende Thema der Lieder am Hofe der Gonzaga war die Liebe in ihren unterschiedlichsten Facetten. "Futuro Antico" bündelt sie nach Kategorien wie "Liebe und Tod", "Liebe und Freude", "Liebe und Wiederkehr".
"Diese Themen", sagt Francesca Torelli, "sind von ewiger Gültigkeit." Man finde sie sowohl in der höfischen Musik von Mantua, "als auch in der Musik heutiger Discotheken."

Text: Michael Frost

Herzlichen Dank / Mille grazie:
Anette Senner (Recherche) und Mauro Pinardi (Fotos)

"Futuro Antico" erschien bei EMI Classics in Italien
und ist als Import-CD auch in Deutschland erhältlich.

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Links


www.branduardi.info

www.branduardi.com

www.cronologia.it
(zur Geschichte von Mantua und der Gonzaga)


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