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MIT QUOTE UND STEUERSENKUNG GEGEN DIE KRISE ? Die Musikindustrie verliert weiter an Boden |
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Die Schuldigen für die Rezession stehen für den Verband seit geraumer Zeit fest: Die Konsumenten, die einzelne Titel oder ganze CDs am heimischen PC kopieren oder aus dem Internet herunterladen. Eine durchschlagende Novellierung des Urheberrechts wird also von den Vertretern der Musikindustrie ebenso vehement angemahnt wie auch die Umsetzung eines Vorschlags der Staatsministerin für Kultur Dr. Christina Weiß. Diese hatte nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Herbst eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes für CDs ins Gespräch gebracht. Bislang bezahlt man für jede CD den normalen Mehrwertsteuersatz von 16 %, während als "Kulturgüter" eingestufte Bücher nur mit 7 % besteuert werden. Das führt zu der in der Tat absurden Situation, dass, wenn man ein Buch über Mozart kauft, dafür nur 7 % Mehrwertsteuer fällig wird, kauft man aber eine Mozart-CD, kassiert der Staat dafür 16 %. |
| Ob die Steuersenkung für CDs tatsächlich zu einer Umsatzsteigerung führt, darf jedoch bezweifelt werden. Zwar gehen Gutachten der Phonoindustrie von einer deutlichen Erhöhung des Tonträgerabsatzes aus, doch in Wahrheit dürfte die Preissenkung eher bescheiden ausfallen. Bezahlt man zurzeit für eine aktuelle Neuerscheinung im Pop/Rock-Bereich zwischen 15 und 16 Euro, läge der Preis nach der Steuersenkung vermutlich ein bis zwei Euro niedriger. Veröffentlichungen abseits des Mainstreams, die heute durchaus schon zwischen 16 und 18 Euro kosten, würden auch bei 7%iger Besteuerung kaum unter 15 Euro fallen, zumal alle Berechnungen voraussetzen, dass die Reduzierung nicht - wie schon bei der Euro-Umstellung vielfach beobachtet - zu versteckten Preiserhöhungen genutzt wird. Die private Kopie bleibt weiterhin konkurrenzlos günstig, wenn auch illegal. |
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Mittlerweile blickt die deutsche Musikindustrie mit Neid ins französische Nachbarland. Dort war bereits unter Präsident von Francois Mitterand und seinem profilierten Kulturminister Jacques Lang eine Entwicklung eingeleitet worden, von der die französische Musikszene mittlerweile ungeheuer profitiert: In Frankreich produzierte Musik steht unter dem besonderen Schutz des Staates, wird durch eine gesetzlich festgeschriebene Mindestquote im Radio gegenüber englischen und amerikanischen Musikimporten gestärkt. Und außerhalb Frankreichs kümmern sich Musikexportbüros um die Vermarktung französischer Künstlerinnen und Künstler im Ausland. Wer weiß, ob inzwischen international erfolgreiche Bands wie Air oder Daft Punk oder Nachwuchskünstler wie Benjamin Biolay und Dominique A. ohne diese Unterstützung das gleiche Gehör gefunden hätten. |
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Auch in Deutschland wird die Einrichtung eines Musikexportbüros inzwischen gefordert - und obendrauf die Radioquote für den eigenen Nachwuchs: "50% aller gesendeten Titel sollen künftig Newcomer sein, davon 50 % deutschsprachig", so Vertreter der Musikindustrie. Die Notwendigkeit zur Förderung von Newcomern basiert nach Auskunft des Bundesverbandes der Phonowirtschaft auf einer Studie, der zufolge "der Anteil neuer Künstler im öffentlich-rechtlichen Radio nur bei 14,3 % liegt, der Anteil deutschsprachiger Künstler sogar nur bei 1,2 %." Übersehen wird bei der Quotenforderung allerdings, dass sie in Frankreich von viel umfassenderen Regelungen begleitet wird. Musikexperten wie der Konzertveranstalter Berthold Seliger werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass die in Frankreich praktizierte Subventionierung der Popmusik längst nicht nur für französische-sprachige Künstler gilt, sondern insbesondere auch der Sparte der "Weltmusik" zugute kommt.
Die vom Phonoverband vorgeschlagene Quote würde Musiker wie Cesaria Evora, Youssou N'Dour oder Angélique Kidjo gleichsam vom Markt verbannen - gelten sie doch weder als "Newcomer", noch singen sie Deutsch - und müssten sich folglich den quotenfreien Restsendeplatz mit Abba, Robbie Williams und den Beatles teilen. Die einseitige Bevorzugung deutscher Musiker fasst Seliger prägnant zusammen:"Goodbye Manu Chao, hello Scorpions, hello Rammstein !" Dass der Nachwuchs stärker gefördert werden muss, ist allerdings unumstritten. Überall im Lande warten Nachwuchsmusiker auf Proberäume, Auftrittsmöglichkeiten und Zugang zu Aufnahmestudios. Berthold Seligers Vorschläge gehen allerdings in eine ganz andere Richtung als die der Musikindustrie:
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Die
Verantwortung für die Krise des Plattenmarktes wird inzwischen von
der Plattenindustrie an die Politik bzw. die öffentlich-rechtlichen
Radiosender zurückgegeben. Aber gehört sie dort wirklich hin
? Von dem Umsatzrückgang waren auch im vergangenen Jahr wiederum
CD-Singles (Rückgang um über 20 %) und Compilations (18,5 %)
besonders stark betroffen. Gerade diese Ex- und Hoppsparte mit geringer
Halbwertzeit ist symptomatisch für den Zustand der Plattenindustrie.
Neil Tennant (Pet Shop Boys) formulierte es folgendermaßen: "Jeder
weiß, dass sich die Musikindustrie gerade in einer Krise befindet.
Aber es ist kein Zufall, dass das gerade jetzt passiert, wo die Plattenfirmen
Popstars industriell herstellen und glauben, sie würden Pop kontrollieren."
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![]() Gegen die "industrielle Herstellung von Popstars": Pet Shop Boys |
![]() Hellmut Hattler: "DSDS läuft, bis alle kotzen ..." |
Hattler sieht auch die Frage des Urheberschutzes insgesamt recht gelassen:
Er zeigt damit einen Weg auf, der für die Musikindustrie einen Ausweg aus der Krise bieten könnte: Weg vom Wegwerfprodukt CD, hin zur anspruchsvollen Ästhetik und zur künstlerischen Qualität. Die fängt übrigens schon mit dem Äußeren an: dem informativen und künstlerisch gestalteten Booklet, das beim Kopieren oder Download zwangsläufig wegfallen müsste. |
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Radiohead
haben es mit ihrer in Leinen gebundenen Edition von "Amnesiac"
vorgemacht, Björk mit ihrer verspielten Plastikbox "Familiy
Tree", der Schweizer Soundtüftler "Solarium" präsentierte
seine Elektronica-Visionen in einer Hartfaserkiste - Beispiele für
Qualität und Originalität von Musik und Präsentation
gibt es zur Genüge - und Qualität könnte vielleicht das
Zauberwort sein. Berthold Seliger weist darauf hin, dass es den kleinen
Independent-Labels und Konzertveranstaltern deutlich besser geht als
den Branchenriesen, weil sie sich mit einem inhaltlichen Profil einen
Namen gemacht und Konsumenten gesichert haben.
Michael
Frost, 01. März 2003 |
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