Starke Frauen aus dem Norden
Neue Inspirationen für klassisches Lied, Jazz, Soul bis Pop und Electronica

 

KATHARINA NUTTALL
Aktuelles Album:
Cherry Flavour Substitute
France Records / Cargo
next www.katharinanuttall.com

Nordische Sängerinnen erlebten wir in diesem Jahr bisher als poetische, nüchtern klare Interpretinnen mit natürlichem, kristallklarem Gesang: Emiliana Torrini, Ane Brun, Nina Kinert, Anna Ternheim. Katharina Nuttall bildet hier eine Ausnahme. Die Wahl-Stockholmerin hat nämlich offenkundig andere Vorbilder, und die klingen nach Radiohead, P.J. Harvey, Siouxsie & The Banshees - mithin wie eine Mischung aus Singer/Songwriter, Wave und Postrock.

Auch, dass sie als einzige Cover-Version ihres sonst komplett selbst geschriebenen Albums den New Order-Titel "Blue Monday" wählte, ist kein Zufall: Ihre stilstischen Elemente wurzeln in den 80er Jahren, der Zeit, in der die 1972 geborene Interpretin wohl ihre musikalische Sozialisation erlebte. Allerdings sticht gerade das Arrangement dieses Songs heraus: Sie nimmt dem Original seinen Rhythmus, verzichtet auf Drums und verwandelt den Song in eine waidwunde , zutiefst verletzte Anklage: "How does it feel // to treat me like you do ..."
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NINA KINERT
Aktuelles Album:
Pets & Friends
NINKINA Recordings / Cargo
next www.ninakinert.com

Ein ganzes Land betätigt sich wahlweise als Kriminalschriftsteller, Möbeldesigner, Jazz-Instrumentalist, Knäckebrotbäcker, Elchtester oder Songwriter: Schweden. Doch nun gibt es den ersten Fall von Crossover: Nina Kinert.

Die Songwriterin hat nämlich für ihr neues Album gewissermaßen einen Kurzkrimi geschrieben, und zwar in Form eines Songtextes: "I shot my man". Sie sieht sich folglich weniger in der Rolle der blonden, selbstbewussten Kommissarin, sondern übernimmt lieber den Part der mordlüsternen Täterin. Sie lässt es nicht bei einem Opfer: Mitsamt Frau und Kind metzelt sie ihren Liebsten dahin - "... and I left no traces."

Dabei klingt alles, gerade auch benannter Song, so betont harmlos. Nina Kinerts Stimme leuchtet hell, ihren Melodien sind kristallklar, ebenso ihre Arrangements, Indie-Folk, Songwriter-Pop, bisweilen Kammermusik, mit elegischem Piano und dunklem Cello ("Beast").
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ANE BRUN
Aktuelles Album:
Changing of the seasons
Det er mine Records / Cargo
next www.anebrun.com

Innerhalb kürzester Zeit ist es Ane Brun gelungen, ihren Namen zu einem der klangvollsten Namen der skandinavischen Songwriter-Szene zu machen. Seit "Spending time with Morgan" (2003) werkelt und feilt die in Schweden lebende Norwegerin an einem Sound, der mal als Folk, mal als Folklore, dann als Akustikpop beschrieben wird.

Mit ihrem neuen Album "Changing of the seasons" läutet sie eine neue Runde ihrer Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten - und Grenzen - ihres eigenen musikalischen Universums ein. Zu hören sind ungemein behutsame, filigran in Szene gesetzte Kleinode der Balladen-Kunst, introspektiv, emotional und berührend, doch dabei immer klar, geradlinig und reflektiert - und niemals kitschig oder sentimental.
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CÆCILIE NORBY
Aktuelles Album:
Slow fruit
ENJA Records HW / SOULFOOD
next www.caecilienorby.com

Ihre Diskografie verzeichnet von Kinderliedern über Schlager, Filmmusik bis zu Rock- und Jazzsongs nahezu alle denkbaren Genres. Damit gehört Cæcilie Norby zu den vielseitigsten Sängerinnen überhaupt, doch darüber hinaus ist die Dänin eine vielleicht die bedeutendste Webbereiterin skandinavischer Interpretinnen wie Rebekka Bakken, Silje Nergaard und Viktoria Tolstoi.

Ohne jeden Zweifel wurzeln ihre musikalischen Ideen im Jazz, doch erfolgreich sind sie weit darüber hinaus, weil es ihnen gelingt, mit ihren Songs eine Brücke zur Popmusik zu schlagen, die durch sie wohltuend an Niveau und Musikalität gewinnt.

Nach diesem Muster funktioniert auch Cæcilie Norbys aktuelles Album "Slow fruit". Nach der skandinavischen Veröffentlichung 2005 erscheint es in Deutschland mit nicht nachvollziehbarer Verspätung im Herbst 2007, doch zur kalten Jahreszeit, ihrem trüben Himmel und den goldbraun gefärbten Blättern passt es wie ein wohlig-wärmendes Kaminfeuer.
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KRISTIN ASBJØRNSEN
Aktuelles Album:
Wayfaring stranger
Emarcy/Universal
next www.kristinsong.com

Bis zu Blues und Country reicht die Spannweite in den Ländern mit dem Kreuz in den allerorts gern gehissten Fahnen, die den vermeintlichen Hauptstädten des Musikbusiness den Rang abzulaufen drohen.

Fehlen eigentlich nur noch Gospels und Spirituals, die Domäne afroamerikanischer Christen, einzelnen gesungen oder im Chor, kraftvoll und beseelt, in einer Kreuzung zwischen religiöser Verzückung, befreiendem Rhythmus, Soul, Jazz und Blues.

Genau in diese Koordinaten stößt nun eine junge Frau aus Oslo (!) und erobert damit die vielleicht letzte Domäne, in welche die skandinavische Musik bislang noch nicht vorgedrungen war. Und Kristin Asbjørnsen hat zu den Südstaaten der USA, wo ihre Musik ursprünglich herstammt, noch nicht einmal eine besondere Bindung. Die Absolventin des Trondheimer Konservatoriums interessierte sich zwar schon immer für afrikanische Musik, doch der Kontakt zum Spiritual entstand allein durch eine Person: Ruth Reese.
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SUSI HYLDGAARD
Aktuelles Album:
Magic words to steal your heart away
ENJA/SOULFOOD
next www.susihyldgaard.com

Wird man umdenken müssen, wenn man an Susi Hyldgaard denkt? Denn die Kopenhagenerin hat sich nach dem ersten Eindruck ihres neuen von ihrem bisherigen Stil, einer Mischung aus Jazz, Elektronik, Pop und House, wie sie zuletzt meisterhaft auf ihrem Album "Blush" vorführte, verabschiedet.

"Blush" hatte sie noch gemeinsam mit Electronica-Soundtüftler Matthew Herbert entwickelt. Der setzte seine Ideen später mit der fabelhaften Roisin Murphy (Moloko) fort, während die nicht minder fabelhafte Susi Hyldgaard sich im Fundus ihrer All Time Favourites vergrub, um daraus die interessantesten Stücke für ein Coveralbum zutage zu fördern.

Unterstützung erhielt Susi Hyldgaard durch einen wirklichen "Kreativgeist des modernen Jazz" (R. Köchl in "Jazz Thing"): Aldo Romano. Er bestärkte sie in ihrer Suche nach den unvergänglichen Perlen von Sinatra, Mancini, Cole Porter, Nat King Cole, Mungo Jerry, Bing Crosby bis Van Morrison.
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TAXI TAXI
Aktuelles Album:
Taxi Taxi
Rumraket/Hausmusik
next www.rumraket.net


Es ist zunächst nur eine EP, aber eine viel versprechende: "Taxi Taxi" nennt sich das Duo aus Miriam und Johanna Eriksson Berham, und seine sechs Songs nahm das Schwesternpaar im heimischen Schlafzimmer in Stockholm auf. Immerhin war der Raum wohl groß genug, um ein ganzes Klavier hineinzuschieben, auf dem zwischendurch fröhlich und herrlich unbekümmert herumgeklimpert wird, und auch die leise gezupfte Gitarre klingt spontan und zufällig, so wie Jugendliche es lernen, wenn sie die ersten Akkorde beherrschen.

Eine Melodie geben die Instrumente nicht vor, in der Hauptsache wird gesungen, gleichzeitig, versetzt, ineinander verschlungen und nebenher - mit Inbrunst und Emphase. Ein Mädchen beginnt, das andere setzt ein, und wechselseitig wird die Melodie weiter entwickelt, planlos - und vielleicht auch ohne Ziel. Fast scheint es ein Glück, dass die Songs überhaupt aufgenommen wurden - vielleicht wären sie sonst für immer verloren und nicht wiederholbar; so wenig geplant komponiert klingt die Musik.
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BJÖRK
Aktuelles Album:
Volta
One little Indian/Universal
next www.bjork.com

Es war fast schon komisch, wie sich mehr oder weniger berufene Experten in den vergangenen Wochen mit Beurteilungen über Björks neues Werk "Volta" ausließen. Jetzt, wo die Scheibe veröffentlicht ist, weiß man nämlich, dass die wenigsten der selbst ernannten Kritiker die CD überhaupt in Gänze gehört haben konnten.

Björk kehre zu ihren Wurzeln zurück, war zu lesen (verwiesen wurde auf ihr zweites Solo-Album "Post"), "Volta" sei nicht mehr so experimentell, gar "eingängig", "rhythmisch" und "tanzbar". Größte Vorschusslorbeeren erhielt Hiphop-Producer Timbaland, von den Medien zum Messias der Beat-Programmierung stilisiert. Seine Zuarbeit sollte sicherstellen, dass Björk sich nach dem sperrigen A Capella-Album "Médulla" nun wieder "auf der Höhe des Zeitgeists" befinde - als ob sie dort jemals gewesen sei, geschweige denn, dass sie dies als Erfolg definieren würde.

Ganz im Gegenteil. Björks einziger Bezug zum Zeitgeist ist, dass sie ihm in den besten Momenten ihrer Karriere zuvor kam. Ansonsten jedoch lebt sie in einer Art Paralleluniversum, in dem ihre Musik weder Vorbilder noch Ernst zu nehmende Nachahmer kennt, die sich guten Gewissens auf sie berufen dürften.
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SILJE NERGAARD
Aktuelles Album:
Darkness out of blue
EMARCY/UNIVERSAL
next www.siljenergaard.com

Der Grat zwischen großartigem Vocal Jazz und den vielfach als "Fahrstuhlmusik" verschmähten Standards ist manchmal schmal. Das weiß auch Silje Nergaard. Dennoch geht die Norwegerin das Wagnis ein.

Auf "Darkness out of blue" vermeidet sie dabei gekonnt eine endgültige Entscheidung für die eine oder andere Seite. Statt dessen versucht sie es mit einer Mischung aus zartem Songwriting, "elegantem Pop" (Pressetext), leisem Soul, Country-Folk, lässigen Jazz-Harmonien und nordischer Klarheit; instrumental wandelt sie nach Belieben zwischen einsamer Piano-Etude und großem Orchester.

Eben dieses Belieben werden ihr Jazz-Puristen wohl als Beliebigkeit auslegen. Doch damit tun sie der Interpretin und ihren zwölf selbst komponierten Stücken (die Texte schrieb der schottische Lyriker Mike McGurk) unrecht, denn sie übersehen, dass hier eine Künstlerin zwischen den Genres auf der Suche nach einer neuen, eigenen Ausdrucksform ist, die eine Klammer zwischen traditionellem Vocal Jazz und aktuellen Strömungen sein könnte.
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MALENE MORTENSEN
Aktuelles Album:
Malene
Stunt Records /Sunny Moon
next www.malenemortensen.com

In Dänemark gewann Malene Mortensen bereits die wichtigsten Titel, die in der Musikbranche vergeben werden, inklusive den nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. 2002 konnte sie daher ihr Land beim "Grand Prix d'Eurovision" in Estland vertreten. Dass sie dort allerdings mit nur sieben Punkten abgeschlagen auf dem letzten der 24 Plätze landete, verschweigt die Biografie auf ihrer Website taktvoll.

Und so landete Malene Mortensen nach verschiedenen Ausflügen in die Welt des Pop schließlich wieder bei ihren musikalischen Wurzeln, dem Jazz. Jacob Christoffersen (Klavier), Chris Minh Doky (Bass, Programming, Keyboard) und Rasmus Kihlberg (Schlagzeug, Percussion) bilden die Stammbesetzung ihres selbst betitelten Albums, das 2006 in Dänemark erschien und jetzt auch bei Sunny Moon in Deutschland veröffentlicht wurde.

"Malene" enthält überwiegend eigene Kompositionen der Kopenhagenerin. Es sind stille, langsame und melancholische (Jazz?)-Songs mit sparsamer Begleitung, unprätentiöse Standards ohne Überraschungen. Der gleichförmige Sound birgt dabei eine Schwierigkeit: hier wird, wie auch das dänische Musikmagazin Gaffa feststellte, kein Risiko eingegangen.
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FREDRIKA STAHL
Aktuelles Album:
A fraction of you
SONY BMG
next www.fredrika-stahl.com


Eine weitere Softjazz-Interpretin? Die Gefahr liegt nahe, Fredrika Stahl zu unterschätzen. Ihr bezauberndes Debüt-Album "A fraction of you" schmiegt sich so angenehm, leicht und charmant an des Hörers Ohren, dass der Verdacht irgendwann auf der Hand liegt: das muss easy listening sein, dess Jazz-Puristen größter Feind.

Doch so einfach macht Fredrika Stahl es uns dann doch nicht. Zwar bekennt sie freimütig, Norah Jones habe auch ihr die Tür zur Verknüpfung von Pop und Jazz geöffnet, doch sie, Fredrika, bleibe zuerst dem Jazz verpflichtet.

Auch das ist ihrem Album anzuhören. Die erst 22-jährige Schwedin, die ihre Kindheit in Paris verbrachte, versammelte eine kleine, aber ausgesuchte Musikerschar um sich, darunter José Palmer (Gitarre), Hervé Meschinet (Saxophon) und Tom McClung (Piano) und lud sie zur Aufnahme elf von ihr selbst geschriebenen Songs ein.

So entstand ein Reigen aus Big Band Jazz, Swing, Bluesballade, Bossanova, Chanson ...
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TUOMI
Aktuelles Album:
The expense of spirit
Traumton/Indigo
next www.kristiinatuomi.com


"Auf die Schönheit Shakespearescher Sonette aufmerksam zu machen - oder anderer Gedichte, die uns ans Herz gewachsen sind - ist sicher ein Ziel." Kristiina Tuomi, Wahl-Berlinerin aus Finnland, ist inzwischen eine profilierte Lyrik-Interpretin. Ihr Repertoire, das sie zuletzt als Sängerin des (nach einem Shakespeare-Zitat benannten) "So.Weiss"-Trio, präsentierte, wird nun nochmals erweitert.

Das Trio "Tuomi" (nach Kristiina benannt) knüpft an die Arbeit von So.Weiss an, aber natürlich genauso an das Debüt "Tightrope walker" (Traumton, 2005). In der Besetzung mit Carsten Daerr (Piano) und Carlos Bica (Bass) arbeitete Kristiina Tuomi nicht nur erneut mit Shakespeare (das Sonett "Th'expense of spirit" lieh dem Album den Namen), sondern auch mit anderen Lyrikern wie William Butler Yeats ("An isle in the water"), Edgar Allen Poe ("Bridal ballad", Tamerlande) und Rilke ("Liebes Lied") ...
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IDA SAND
Aktuelles Album:
Meet me around midnight
ACT MUSIC
next www.actmusic.com


Es ist erst wenige Monate her, da konnte man Ida Sand (damals noch Ida Sandlund) an der Seite von Nils Langren in dem Mitschnitt seines Weihnachtskonzerts "Christmas with my friends" erleben. "Nu tändas tusen juleljus" ("Jetzt werden tausend Weihnachtskerzen entzündet") hieß das traditionelle Weihnachtslied, das die Schwedin interpretierte, und dem Glanz der besungenen Lichter entsprach auch ihre glockenhelle Stimme.

So wunderte es wenig, als wenig später ihr erstes Soloalbum angekündigt wurde. Dass Ida Sand sich allerdings als Soulsängerin profilieren würde, war eine Überraschung, doch genau das ist "Meet me around midnight": ein hervorragendes Album an der Nahtstelle zwischen Soul, Pop, Blues, Jazz und Gospel.

Ida Sandlund hatte dem deutschen Jazz-Label ACT ein Demoband geschickt. Plattenchef Siegfried Loch stellte daraufhin den Kontakt zu Nils Landgren her, der sie zunächst in seinen weihnachtlichen Freundeskreis aufnahm, um schließlich ihre komplette CD zu produzieren.
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ANNA TERNHEIM
Aktuelles Album:
Seperation road
Stockholm Records / Universal
next www.annaternheim.com


Der Einstieg könnte gewaltiger kaum sein. Während viele mit Lob überhäufte Debüttanten ihr zweites Werk aus Angst vor dem Scheitern lieber mit Vorsicht angehen, schickt Anna Ternheim ein Stockholmer Streicherensemble mit einem feierlichen Intro vorweg.

Das führt schon mal zu schwersten Irritationen. Denn "Somebody outside", das bezaubernde Debütalbum von 2004, bestach vor allem durch seine Stille, die reduzierte Instrumentenführung, das klassische Handwerk des "Songwriting" an der Nahtstelle zwischen Pop, Blues, Chanson und Jazz.

Doch "Girl laying down", nach dem Intro der erste wirkliche Song des neuen Albums "Separation road" hält den überraschenden Spannungsbogen und erweitert ihn noch. Ein Klavier im Pasodoble-Rhythmus, donnerndes Schlagzeug, Xylophon, E-Gitarre, schließlich ein Breitwandfoto aus Geigenklängen - und diese Stimme.
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CAROLINE HENDERSON
Aktuelles Album:
Love or nothin'
STUNT RECORDS / SUNNY MOON
next www.carolinehenderson.com


"Jazz ain't nothing but soul, trumpets, saxophones, rhythm making love ..." - Caroline Henderson hat eine fest umrissene Vorstellung von dem, was sie tut. Ihr Albumtitel ist entsprechend formuliert: "Love or nothin'" - Liebe oder gar nichts; Kompromisse ausgeschlossen.

Klare Linien, eine hörbare Vision und ihre konsequente Umsetzung - mehr kann man sich von einem gelungenen Album kaum wünschen. Doch Caroline Henderson, Wahl-Dänin amerikanischer Herkunft, die zu den prägnantesten Köpfen (und Stimmen) der lebendigen Jazz-Szene Skandinaviens gehört, kann noch einiges mehr.

So überzeugt sie sowohl in der Marlene Dietrich-Pose (der Albumtitel entstammt nämlich ihrer englischen Coverversion des Holländer-Chansons "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt") als auch mit neueren Sounds: "The crying game" (Dave Berry-Charthit von 1964), Michelle Ndgeocellos "Outside your door" oder Tom Waits' "Nobody".
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HANNE HUKKELBERG
Aktuelles Album:
Rykestrasse 68
Propeller / Nettwerk
next www.hannehukkelberg.com


Als Hanne Hukkelberg 2003 ihr erstes Album veröffentlichte, brachte sie zahllose Aufnahmen von Alltagsgeräuschen mit ins Studio. Fast alles auf "Little things" schien aus Straßenaufnahmen zu bestehen, aus klirrenden Gläsern und klapperndem Küchengeschirr.

Dagegen ist "Rykestrasse 68" fast eine konventionelle Angelegenheit, denn auf der CD kommen überraschend viele identifizierbare Instrumente zum Einsatz: Gitarre, Cello, Klavier, Blockflöten. Doch, soweit blieb sie sich treu, kommen die Instrumente nie dort und vor allem nicht in der Art zum Einsatz, die man erwarten würde. Hanne Hukkelberg ist die versponnene Klangkünstlerin geblieben, die "Little things" 2005 zu einem der interessantesten Alben des Jahres machten.
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© Michael Frost, April 2007 -November 2008


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