Dass
sogar Uschi Obermeier den Film über ihr wildes Leben "so glatt
gebürstelt" findet, stört Viktor Norén überhaupt
nicht. Er schwebt noch immer auf Wolke 7. Für den Sänger der
schwedischen Band "Sugarplum Fairy" ist ein Traum in Erfüllung
gegangen: In dem Film das "Wilde Leben" nach der Autobiographie
Obermaiers durfte er sein großes Idol Mick Jagger mimen, sieht
er doch seinem Vorbild frappierend ähnlich aus.
Viktor
stammt aus Borlänge, einer verschlafenen Kleinstadt in Mittelschweden,
in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. "Trends kommen
spät oder gar nie an. Hier hört niemand Dance oder Hip Hop,
alle stehen noch immer auf die Beatles', The Who' oder die
Stones'", sagt Viktor. Der ideale Nährboden also, auf
dem Gitarrenbands so richtig gedeihen können. Zwei von ihnen bringen
es zu internationalem Ruhm: "Mando Diao", in dem Viktors Bruder
Gustav mitspielt, und "Sugarplum Fairy", die Gruppe in der
Viktor und sein anderer Bruder Carl den Ton angeben.
Schon von klein auf hätten ihn seine Eltern mit dem klassischen
"Rock'n'Roll"-Virus infiziert, erzählt der 21-jährige.
Von Jahr zu Jahr sei die Leidenschaft für diese Art von Musik gestiegen:
"Als ich beschloss, selbst Musik zu machen, kam für mich kein
anderer Sound in Frage."
Wie würde er einem Kinogänger, der noch nie etwas von seiner
Band gehört hat, die Musik von "Sugarplum Fairy" beschreiben?
"Es ist klassischer britischer Rock. Unsere Musik speist sich aus
dem Sound der Beatles', der Clash' und von Oasis',
aus allem eben was die Musikszene der Insel im Verlauf der Jahrzehnte
an Gutem hervorgebracht hat."
Eine Band hat es ihm dabei besonders angetan: die "Rolling Stones".
Viktor verschlingt Unmengen von Büchern und Videodokumentationen
über Mick Jagger, hat bald jede Bewegung, jede Geste seines Idols
drauf. Die Damen und Herren einer deutschen Casting-Agentur schauen
zufällig ein "Sugarplum Video" an und wie Schuppen fällt
es ihnen von den Augen: "Mensch, der sieht aus wie Mick Jagger."
Die Rolle ist gebongt.
Hauptdarstellerin Natalie Avelon reist sogar extra nach Kalifornien,
um sich Uschi Obermaiers bayerischen Dialekt an zu eignen. Eine Audienz
bei Mick hat Viktor nicht nötig: "Durch mein jahrelanges Stonesstudium'
musste ich nicht viel üben. Mir viel es leicht in seine Rolle zu
schlüpfen, seine Sprache, seinen Habitus und seine Gesten nachzuahmen."
Uschi Obermainer, Topmodel, Gespielin der Rolling Stones und Sexsymbol
der 60er Jahre, war für Viktor bis vor kurzem wie ein Buch mit
sieben Siegeln: "Erst durch eine Abhandlung über die Rolling
Stones', in der sie erwähnt wird, bin ich auf sie gestoßen."
Bei der großen Filmpremiere in München lernt er sie persönlich
kennen, "tänzelt mit Keith Richards-Darsteller Alexander Scheer
frohgelaunt über den roten Teppich", wie später in den
Pressemeldungen zu lesen sein wird. Darin heißt es weiter: "Mit
ihnen posiert Uschi Obermaier ganz besonders gerne vor den Kameras,
unübersehbar ihr Kennerblick, den wilde Jungs seit Jahrzehnten
von ihr bekommen." Viktor fühlt sich geschmeichelt, ist hingerissen
von ihrem charmanten Wesen und von ihrem bezaubernden Äußeren:
"Man sieht ihr überhaupt nicht an, dass sie bereits 60 Jahre
alt ist. Die Spuren der Zeit scheinen an ihr vorübergegangen zu
sein."
Der Film findet bei den Kritikern nicht gerade viel Widerhall. "Das
spannende Leben Obermaiers von der sexuellen Revolution bis hin zum
exzessiven Partyleben", heißt es in einer Rezension, "erscheint
wie weich gezeichnet und verkommt zu einer netten Liebesgeschichte."
Viktor, kann die Kritik, die ihn selbst nicht berührt, gut nachvollziehen:
"Ich kann verstehen, dass das Echo in Deutschland so ausfallen
musste, schließlich war sie eine provokante Erscheinung in einem
spießbürgerlichen Umfeld."
Die 60er Jahre sind für Viktor eine Zeit des gesellschaftlichen
Umbruchs und der politischen Demonstrationen. Wie sieht er die heutige
Jugend verglichen mit der in den 60er Jahren, als die Blumenkinder den
Slogan "Love & Peace" ausgaben? "Die Jugendlichen
von heute sind viel weniger politisch aktiv als damals, obwohl es allerlei
Probleme in der Welt gibt, die Anlass zum Handeln böten. Zudem
fehlt es auch an musikalischen Gallionsfiguren."
Dem
aktuellen Hip Hop, in dem es nur um noble Schlitten, Sex und das Protzen
mit Reichtum gehe, könne er nichts abgewinnen, sagt Viktor.
Ob
es eine Rückkehr von ihm auf die Leinwand geben wird, vermag er
derzeit nicht zu sagen. Viktor möchte sich wieder voll und ganz
der Musik widmen. Im März steht eine Tour durch Deutschland an,
und im Sommer sind Auftritte bei großen Open Airs geplant. Im
Gespräch sei auch "Rock im Park" in Nürnberg, gibt
Viktor preis. Sollte es dazu kommen, dann würde dies bedeuten,
dass er, wie schon 2005 auf "Mando Diao", die Band seines
Bruders Gustav, treffen würde. "Wir empfinden eher Freundschaft
als Konkurrenz füreinander", kommentiert Viktor das mögliche
Aufeinandertreffen.
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Text: Stephan Stöckel, März 2007
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