In "Das wilde Leben" ist er der junge Mick Jagger:
VIKTOR NORÉN schwebt auf Wolke Sieben
Interview mit Stephan Stöckel

Sugarplum Fairy (Mi.: Viktor Norén)
Sieht er nicht ein bisschen aus wie Mick Jagger? Viktor Norén (Mitte) im Kreise seiner Band "Sugarplum Fairy"


Dass sogar Uschi Obermeier den Film über ihr wildes Leben "so glatt gebürstelt" findet, stört Viktor Norén überhaupt nicht. Er schwebt noch immer auf Wolke 7. Für den Sänger der schwedischen Band "Sugarplum Fairy" ist ein Traum in Erfüllung gegangen: In dem Film das "Wilde Leben" nach der Autobiographie Obermaiers durfte er sein großes Idol Mick Jagger mimen, sieht er doch seinem Vorbild frappierend ähnlich aus.

Viktor stammt aus Borlänge, einer verschlafenen Kleinstadt in Mittelschweden, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. "Trends kommen spät oder gar nie an. Hier hört niemand Dance oder Hip Hop, alle stehen noch immer auf die ‚Beatles', ‚The Who' oder die ‚Stones'", sagt Viktor. Der ideale Nährboden also, auf dem Gitarrenbands so richtig gedeihen können. Zwei von ihnen bringen es zu internationalem Ruhm: "Mando Diao", in dem Viktors Bruder Gustav mitspielt, und "Sugarplum Fairy", die Gruppe in der Viktor und sein anderer Bruder Carl den Ton angeben.

Schon von klein auf hätten ihn seine Eltern mit dem klassischen "Rock'n'Roll"-Virus infiziert, erzählt der 21-jährige. Von Jahr zu Jahr sei die Leidenschaft für diese Art von Musik gestiegen: "Als ich beschloss, selbst Musik zu machen, kam für mich kein anderer Sound in Frage."

Wie würde er einem Kinogänger, der noch nie etwas von seiner Band gehört hat, die Musik von "Sugarplum Fairy" beschreiben? "Es ist klassischer britischer Rock. Unsere Musik speist sich aus dem Sound der ‚Beatles', der ‚Clash' und von ‚Oasis', aus allem eben was die Musikszene der Insel im Verlauf der Jahrzehnte an Gutem hervorgebracht hat."

Eine Band hat es ihm dabei besonders angetan: die "Rolling Stones". Viktor verschlingt Unmengen von Büchern und Videodokumentationen über Mick Jagger, hat bald jede Bewegung, jede Geste seines Idols drauf. Die Damen und Herren einer deutschen Casting-Agentur schauen zufällig ein "Sugarplum Video" an und wie Schuppen fällt es ihnen von den Augen: "Mensch, der sieht aus wie Mick Jagger." Die Rolle ist gebongt.
Hauptdarstellerin Natalie Avelon reist sogar extra nach Kalifornien, um sich Uschi Obermaiers bayerischen Dialekt an zu eignen. Eine Audienz bei Mick hat Viktor nicht nötig: "Durch mein jahrelanges ‚Stonesstudium' musste ich nicht viel üben. Mir viel es leicht in seine Rolle zu schlüpfen, seine Sprache, seinen Habitus und seine Gesten nachzuahmen."

Uschi Obermainer, Topmodel, Gespielin der Rolling Stones und Sexsymbol der 60er Jahre, war für Viktor bis vor kurzem wie ein Buch mit sieben Siegeln: "Erst durch eine Abhandlung über die ‚Rolling Stones', in der sie erwähnt wird, bin ich auf sie gestoßen." Bei der großen Filmpremiere in München lernt er sie persönlich kennen, "tänzelt mit Keith Richards-Darsteller Alexander Scheer frohgelaunt über den roten Teppich", wie später in den Pressemeldungen zu lesen sein wird. Darin heißt es weiter: "Mit ihnen posiert Uschi Obermaier ganz besonders gerne vor den Kameras, unübersehbar ihr Kennerblick, den wilde Jungs seit Jahrzehnten von ihr bekommen." Viktor fühlt sich geschmeichelt, ist hingerissen von ihrem charmanten Wesen und von ihrem bezaubernden Äußeren: "Man sieht ihr überhaupt nicht an, dass sie bereits 60 Jahre alt ist. Die Spuren der Zeit scheinen an ihr vorübergegangen zu sein."

Der Film findet bei den Kritikern nicht gerade viel Widerhall. "Das spannende Leben Obermaiers von der sexuellen Revolution bis hin zum exzessiven Partyleben", heißt es in einer Rezension, "erscheint wie weich gezeichnet und verkommt zu einer netten Liebesgeschichte." Viktor, kann die Kritik, die ihn selbst nicht berührt, gut nachvollziehen: "Ich kann verstehen, dass das Echo in Deutschland so ausfallen musste, schließlich war sie eine provokante Erscheinung in einem spießbürgerlichen Umfeld."

Die 60er Jahre sind für Viktor eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs und der politischen Demonstrationen. Wie sieht er die heutige Jugend verglichen mit der in den 60er Jahren, als die Blumenkinder den Slogan "Love & Peace" ausgaben? "Die Jugendlichen von heute sind viel weniger politisch aktiv als damals, obwohl es allerlei Probleme in der Welt gibt, die Anlass zum Handeln böten. Zudem fehlt es auch an musikalischen Gallionsfiguren."

Dem aktuellen Hip Hop, in dem es nur um noble Schlitten, Sex und das Protzen mit Reichtum gehe, könne er nichts abgewinnen, sagt Viktor.

Ob es eine Rückkehr von ihm auf die Leinwand geben wird, vermag er derzeit nicht zu sagen. Viktor möchte sich wieder voll und ganz der Musik widmen. Im März steht eine Tour durch Deutschland an, und im Sommer sind Auftritte bei großen Open Airs geplant. Im Gespräch sei auch "Rock im Park" in Nürnberg, gibt Viktor preis. Sollte es dazu kommen, dann würde dies bedeuten, dass er, wie schon 2005 auf "Mando Diao", die Band seines Bruders Gustav, treffen würde. "Wir empfinden eher Freundschaft als Konkurrenz füreinander", kommentiert Viktor das mögliche Aufeinandertreffen.

© Text: Stephan Stöckel, März 2007
© Foto: PR

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SUGARPLUM FAIRY
LIVE

23.03.07 Hamburg, Grünspan
24.03.07 Lingen, Alter Schlachthof
25.03.07 Köln, Prime Club
27.03.07 Darmstadt, Centralstation
28.03.07 München, The Atomic Cafe
29.03.07 Erlangen, E-Werk
30.03.07 Berlin, Kalkscheune
31.03.07 Bremen, Modernes



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