Fast
ein bisschen unscheinbar ist sie, die Aufmachung der Label-Compilation
von "Peregrina Music", einer der profiliertesten Plattenfirmen
im Bereich der Weltmusik. Die schlichte Schwarz-weiß-Optik der
"Reise durch Raum und Zeit" (CD-Titel) steht damit in krassem
Gegensatz zum farbenprächtigen Inhalt. Denn tatsächlich enthält
die zum 10. Label-Geburtstag veröffentlichte CD einundzwanzig Titel
aus praktisch allen Teilen der Welt, angefangen von Didgeridoo-Klängen
(Michael Kiedaisch/Eberhard Hahn) bis zu Grace Davidsons Interpretation
von Schuberts "Leiermann".
"Weltoffen,
aufgeschlossen und neugierig" wollen die Peregrina-Verantwortlichen
sein. Das beinhaltet einen Weltmusik-Begriff, der über die traditionelle
Folklore vermeintlich "exotischer" Regionen der Erde hinausgeht.
Vielmehr geht es ihnen um Musiker, die abseits des Gewohnten neue Wege
auskundschaften, so wie zum Beispiel Rao Kyao, nach dessen Meinung portugiesischer
Fado und chinesische Musik überhaupt kein Widerspruch sein müssen,
wie er mit dem Stück "Fado das Lhas" tatsächlich
nachweisen kann.
Da
ist die Verknüpfung sardischer Vokalkunst und arabischer Rhythmik
(Tancaruja) schon deutlich weniger spektakulär, aber nicht minder
mitreißend. Das gilt auch für das hoch gelobte und und in
Italien über die Maßen populäre "Piccola Orchestra
Avion Travel", eine der interessantesten Folkpop-Bands überhaupt.
Seinen
Schwerpunkt fand das Peregrina-Label jedoch in der lateinamerikanischen
Musik. Etwa bei der großartigen Lila Downs, die bereits zu den
etablierten Sängerinnen der Weltmusik-Szene gehört, oder dem
brasilianischen Duo Rosanna & Zélia, dem Tango des Chilenen
Pablo Ardouin oder der ebenfalls aus Chile stammenden Mariana Montalvo,
die das Land während der Pinochet-Diktatur verließ und seither
in Paris zu Hause ist. Auf der compilation ist sie mit der spanischen
Übersetzung eines Chansons von Maxime le Forestier vertreten.
Es
sind immer die unerwarteten Kooperationen, die Grenz- und Genreüberschreitungen,
die den Reiz der Peregrina-Veröffentlichungen ausmachen. Auf der
"Reise durch Raum und Zeit" finden sie sich in nahezu allen
Titeln, so auch im Gesang der Griechin Maria Farantouri, die hier einmal
mehr Texte ihres großen Mentors Mikis Theodorakis vertont.
Allen
Unterschieden in Bezug auf Herkunft, Sprache, Religion und Lebensbedingungen
zum Trotze gibt es ein unsichtbares Band, das alle beteiligten Musiker
miteinander verbindet und mit den Zielen ihrer Plattenfirma identisch
ist: Weltoffenheit, Aufgeschlossenheit und Neugier.