FRANKOPHONE AUS ALTER UND NEUER WELT
Putumayo veröffentlicht "Acoustic France" und "Québec"


Auf zwei aktuellen Veröffentlichungen beschäftigt das kunterbunte Putumayo-Label sich mit frankophoner Musik. Dabei war das Thema "Acoustic France" wohl schon lange überfällig, doch in zeitlicher Nähe zur Aufmerksamkeit, die Frankreichs Premiere Dame Carla Bruni-Sarkozy mit ihrem dritten Album genießt, passt die Compilation natürlich doppelt gut, zumal Carla Bruni auch darauf vertreten ist, wenn auch pikanterweise mit "Raphael", einem ihrem früheren Partner Raphael Einthoven gewidmeten Lied von 2002.

Musikalisch bewegt sich die Compilation im Bereich des zu Erwartenden, allerdings sind u.a. mit Gérard Pitiot, Romane, JP Nataf oder Constance Amiot Namen darauf vertreten, die international wohl nur einem Insider-Publikum bekannt sein dürften. Thomas Dutronc hingegen, der Sohn von Francoise Hardy und Jacques Dutronc, ist längst kein Unbekannter mehr, und auch Sängerin/Schauspielerin Sandrine Kiberlain und Rose sind mit ihren aktuellen Alben bereits in Deutschland vertreten, stellvertretend für das in den letzten Jahren stark angewachsene Interesse für das "Neo-Chanson", deren wichtigste Vertreter auf "Acoustic France" allerdings nicht vertreten sind. Einige von ihnen konnte man bereits auf den Samplern "Paris" und "French Café" entdecken, wo sie den Klassikern des Genres, u.a. Serge Gainsbourg und Georges Brassens gegenübergestellt wurden. "Acoustic France", so scheint es, soll eher das zeitlose, klassische Chanson in den Vordergrund stellen - im Zweifel merkt man also den Unterschied zwischen älteren und aktuellen Aufnahmen überhaupt nicht.

1 Les Escrocs
Assedic
 
2 Thomas Dutronc
J'Suis Pas d'Ici
3 Sandrine Kiberlain
Le Quotidien
4 Pascal Lejeune
Bilingue in Paris
5 JP Nataf
Mon Ami d'en Haut
6 Constance Amiot
Clash Dans Le Tempo
7 Gordon Sanchez
Les Aléas de L'Hiver
8 Carla Bruni
Raphaël
9 Rose
Sombre Con
10

Gérard Pitiot
Couplet de la Rue de Bagnolet

11 Romane
Passion
12 Rupa & The April Fishes Maintenant

1 Mathieu Mathieu
Cette Ville
2 DobaCaracol
Étrange
3 Martin Léon
Je m'demande
4 Annie Villeneuve
Un Homme
5 Chloé Sainte-Marie
Brûlots
6 Florent Vollant
Nitshiuenan
7 Marie-Annick Lépine
Au Chalet
8 Myreille Bédard
Il Fait Dimanche
9 Polémil Bazar
Les Viscères
10 La Bottine Souriante
La Brunette Est Là
11 Le Vent Du Nord
Vive l'amour

 

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Deutlich abwechslungsreicher geht es auf "Québec" zur Sache. Putumayo stellt damit, anlässlich ihres 400. Geburtstags, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in den Vordergrund, die in den letzten Jahren durch die Betonung ihrer sprachlichen und kulturellen Eigenständigkeit von sich Reden machte: Die Bevölkerungsmehrheit in Québec ist französischen Ursprungs, Französisch ist deshalb inzwischen als Ergebnis eines harten Ringens zwischen frankophoner und englischsprachiger Bevölkerung als 1. Amtssprache etabliert worden, mit allen Konsequenzen für das öffentliche Leben inkl. Straßenschildern und Werbeplakaten. Inzwischen setzt sich sogar hierzulande die französische Aussprache von Städten wie eben Québec oder auch Montreal durch.

Der Putumayo-Sampler "Québec" widmet sich nun der agilen Musikszene im französischsprachigen Teil Kanadas. Dabei lassen die Beiträge nicht nur sprachliche Nähe zum Mutterland erkennen: Auch stilistisch gibt es viele Verbindungen, die für einen regen Austausch zwischen frankokanadischen und französischen Künstlern sprechen.

Berührungsängste gibt es nicht. "Star Académie"-Gewinnerin Annie Villeneuve steht gleichberechtigt neben der etablierten Schauspielerin und Interpretin Chloé Sainte-Marie, der Independent-Band "Polémil Bazar" oder "La Bottine Souriante", die vielleicht noch am ehesten den speziellen Sound Québecs einfangen, weil ihr Sound wie ein Schmelztiegel der verschiedenen Einwandererkulturen aus England, Schottland, Frankreich und Irland klingt. "Québec", so hört man dieser Sammlung an, führt ein kulturelles Eigenleben. Es betont den individuellen Ausdruck der Gruppen, aus denen sich die kanadische Bevölkerung zusammen setzt, verliert dabei auch die Ureinwohner nicht aus dem Blick, und achtet sehr genau darauf, sich vom angloamerikanischen Mainstream abzugrenzen. So ist "Québec" soziologische Studie und unterhaltsames Album zu gleichen Teilen.

© Michael Frost, 23. August 2008

 



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