Das
überraschendste Comeback folgt in diesen Tagen: Agnetha Fältskog,
"die Blonde von Abba", hat nach langer Auszeit eine Platte
aufgenommen, die noch in diesem Frühjahr erscheinen soll - 30 Jahre
nach dem Grand Prix Gewinn von Abba mit "Waterloo". Ganze
17 Jahre dauerte ihre kreative Pause, und dennoch kann die Schwedin
sicher sein, dass sie keineswegs in Vergessenheit geraten ist: der Abba-Kult
ist lebendiger denn je.
Andere
Größen der letzten zwei Jahrzehnte waren nie richtig weg
und sind doch heute so präsent wie lange nicht mehr. David Bowie
gehört dazu. Seine jüngeren Alben "Hours", "Heathen"
und "Reality" werden übereinstimmend zu seinen besten
Aufnahmen gezählt, und gemeinsam mit The Cure gehört
er zu den Headlinern der Sommer-Festivals.
Auch
David Byrne ("Talking Heads") sorgt mit seiner aktuellen
Produktion "Grown backwards" für Furore, und seit im
vergangenen Jahr auch Fleetwood Mac wieder zusammenfanden, scheint
überhaupt keine Reunion mehr ausgeschlossen: Selbst Kraftwerk
ist wieder da.
Oder
Annie Lennox. Die letzte CD der britischen Pop-Diva lag bereits
einige Jahre zurück, als sie im Frühjahr 2003 ihr drittes
Solo-Album "Bare" vorstellte. Davor war sie für eine
Produktion mit ihrem Eurythmics-Partner von einst, Dave Stewart, ins
Studio zurückgekehrt um das Album "Peace" aufzunehmen.
Ihren größten Erfolg feierte Annie Lennox jedoch in diesem
März, als ihr nämlich der Oscar für den besten Filmsong
überreicht wurde. Sie ist Co-Autorin und Interpretin des Schlusssongs
des letzten Teils der "Herr der Ringe"-Trilogie.
Jede
Rückkehr "alter" Heroen von einst wird nicht nur von
einem großen Promotion-Aufwand begleitet, sondern trifft offenbar
auch den Geschmack des Publikums. Oft erzielen die neuen Produktionen
sogar größeren Absatzerfolg als früher. Als das norwegische
Poptrio A-ha vor vier Jahren mit dem Album "Minor Earth
- Major Sky" in die Plattenläden zurückkehrte, konnten
wohl auch sie nicht ahnen, dass diese CD zu ihrer erfolgreichsten Produktion
überhaupt werden sollte. Und Nena musste noch nicht einmal
neue Songs einspielen, um die Charts zu stürmen: Ihr reichte eine
zeitgemäße Überarbeitung ihrer Hits aus den 80ern.
Doch
den Bundesverband der Phono-Industrie, der über Verkaufszahlen
und Absatzmärkte wacht, überraschen diese Erfolge kaum noch,
denn die Gruppe der 40-Jährigen, die mit den Talking Heads, Abba,
der Neuen Deutschen Welle oder den Eurythmics groß wurde, wird
mehr und mehr zur wichtigsten Zielgruppe der Plattenindustrie.