„Avant-Fusion“ – so ein US-Magazin zu diesem Stil-Mix – hat zwar wenig mit den klassischen Fusion-Formen zu tun, die seit den 60-er Jahren die Gräben zwischen Rock und Jazz meist notdürftig zu überbrücken suchten, aber viele der Aufnahmen und der hochkarätigen kleinen Ensembles dieses Labels wecken genau den Geist jener Zeit:
Wer die Stücke des Trios Elephant9 hört, glaubt sich in die End-60-er Jahre versetzt, in die Live-Acts von Megabands wie Procul Harum, Deep Purple, The Nice oder Pink Floyd, wenn die Sologitarristen oder Keyboarder zu minutenlangen Improvisationen ansetzten, bis sie buchstäblich den Höhepunkt erreichten. In rasendem Tempo – unterstützt von dichten Schlagzeugattacken (Torstein Lofthus) und ostinaten Bassfiguren (Nikolai Eilertsen) – scheint Keyboarder Stale Storlokken jene Höhenläufe von damals neu zusammenzusetzen zu einer Art Endlosschleife aus Höhepunkten.
Damit zeigt er zugleich die Formelhaftigkeit jener Überwältigungsstrategien, ohne jedoch den wilden Untergrund dieser Musik zu verraten. Das Collagieren, Verdichten und Auseinanderpflücken gehört zur Methode dieses Trios und der fast 10-minütige Eingangstitel „DodoVoodoo“ gibt dem Debüt-Album von Elephant9 nicht zufällig seinen Namen. Im Mittelpunkt stehen Orgel und elektrisches Klavier, im Mittelpunkt stehen die Gefühle und Formeln der späten 60-er und frühen 70-er Jahre, Fragmente aus Rock, Psychodelic und Jazz.
Elephant9 entfalten dichte, intensive Klangräume, in denen ein bestimmter Rhythmus erst ganz allmählich – fast aus der Stille heraus – geboren wird. Die Musiker überspannen niemals den Bogen, auch dann nicht, wenn sie die musikalischen Richtungen, in die sie gehen, permanent ändern. Sie sind keine kühlen – oder coolen – Nachlassverwalter ausgeborgter Alt-Formeln, sie spielen mit Herzblut, was auch deshalb so direkt und unverbraucht klingt, weil bei den Aufnahme-Sessions generell auf digitale Tricks, auf Overdubs verzichtet wird. Die Kraft, die Rock und Jazz gleichermassen zugrunde liegt, soll wieder hörbar gemacht werden, das klingt nach rauer Authentizität, obwohl sie nur Zitat ist, das klingt vor allem nach Lust an den wilden untergründigen Seiten der Musik, die hier – überraschend gelungen – wieder aufgeschlagen werden.