So überrascht es wenig, dass die Verantwortlichen
der "Songs an einem Sommerabend" inzwischen die 4. Festival-CD
veröffentlichen konnten. Dabei handelt es sich erneut nicht etwa
um Mitschnitte des Festivals, sondern sämtlich um Studioversionen
der neunzehn vorgestellten Titel, mit denen der Zuhörer auf eine
Zeitreise durch die vergangenen Festivaljahre geschickt wird, angefangen
bei der Chanteuse Joana ("Reimen muss sich's auch"), die
in diesem Jahr auch zum Moderatorenteam des Festivals gehörte.
Begrüßen
konnte sie im bayerischen Bad Staffelstein u.a. Stammgäste wie
Lydie Auvray und Klaus Hoffmann, außerdem die gebürtige
Sizilianerin Etta Scollo, die seit Jahren eine Instanz auf deutschen
Konzertbühnen ist, sowie Naked Raven, die Alternative-Popband
aus Australien, auch sie seit einigen Jahren eine feste Bank deutscher
Open-Air-Bühnen.
Die
Klassiker deutschsprachigen Liedermachertums werden auf der neuen
Compilation u.a. durch Hans Eckhardt Wenzel, Willy Astor und Ludwig
Hirsch repräsentiert, doch am Ende steht - fast zwangsläufig
- eine gemeinsame Aufnahme von Reinhard Mey, Hannes Wader und Konstantin
Wecker: "So troll'n wir uns". Damit erinnert das wortgewaltige
Trio an eine Zeit, als ein Liedermacher (neudeutsch: Songwriter) vor
allem einen politischen Inhalt transportieren wollte, Gesellschaftskritik
übte und sich in den Dienst von Bürgerbewegungen und Alternativkultur
stellte.
Diese
Zeiten mögen inzwischen der Vergangenheit angehören, der
Berechtigung dieses engagierten Festivals hat der Trendwechsel jedoch
nichts anhaben können. Behutsam gingen die Initiatoren mit der
Zeit, ohne ihre Ideale zu verraten, indem sie die "Songs an einem
Sommerabend" als Format etablierten, das Unterhaltung und Anspruch
nicht als Gegensatz, sondern als gegenseitige Bedingung proklamiert.
Auch das ist schon - allzumal in Zeiten allgemeinen Castingwahns -
mehr als politisch.
©
Michael Frost, Aug. 2004