Weshalb
habt ihr das neue Album "Anfänger" genannt, wo Ihr
doch bereits fünf Jahre auf dem Buckel habt?
Mathias: Es gibt viele Gründe, weshalb man Anfänger ist.
Sollten wir in zwanzig Jahren auf diese Zeit zurückblicken, dann
können wir feststellen: "Damals waren wir Anfänger."
Aber auch bei der Aufnahme zu unserem neuen Album sind wir Anfänger
gewesen: Viele Sachen haben wir zum ersten Mal gemacht. Wir spielten
Klavierpassagen ein und wussten zunächst nicht, wie man sie am
besten in die Arrangements der Lieder einbaut. Wir arbeiteten nicht
bei jedem Lied im Refrain mit verzerrten Gitarren, sondern versuchten
auf andere Art und Weise musikalische Größe hereinzubringen.
Wenn Herbert Grönemeyer beginnt, etwas Neues auszuprobieren,
dann wird auch er zum Anfänger. Zudem war der Song "Weil
wir Anfänger sind" so etwas wie eine Initialzündung
für den Albumtitel. In dem Song "Anfänger" wird
beschrieben, wie man sich als Anfänger in einer Liebesbeziehung
fühlt. In einer Liebe steht man immer am Anfang, egal wie lange
die Beziehung schon dauert. Die Liebe erneuert sich, man erkennt neue
Dinge am Partner und so wird man immer wieder zum Anfänger.
Wie
kommt es, dass die Gute-Laune-Atmosphäre Eures Debütalbums
auf dem neuen Werk einer gewissen Ernsthaftigkeit gewichen ist?
Mathias:
Bereits auf dem ersten Album befanden sich einige ernste Stücke,
wie "Weiterziehen". Allerdings legten wir damals den Blickpunkt
mehr auf die rockigen Gitarren. Songs wie "Giganten" oder
"Von guten Eltern" sind Paradestücke hierfür.
Allerdings sehe ich keinen wahnsinnigen Bruch zwischen den beiden
Alben. Der Unterschied liegt darin, dass "Anfänger"
ein privateres Werk geworden ist. Der "Wir-Ton" wurde durch
ein persönlicheres "Ich" oder "Du" ersetzt.
Thomas, der die Texte schreibt, ist ein eher verschlossener Typ. Er
fand den Mut, persönlichere Texte zu schreiben, in denen sich
eigene Erfahrungen und Erlebnisse wiederspiegeln. Es ist ein Album
geworden, dass man zu Hause in Ruhe hören kann, so wie eine Scheibe
von "Coldplay" oder "Neil Young".
Das
Piano tritt auf der neuen Platte stark in den Vordergrund. Ist das
aus eigenem Antrieb heraus passiert oder habt Ihr Euch von allgemeinen
Trends leiten lassen?
Mathias:
Beides würde ich sagen. Thomas ist ein großer Fan des amerikanischen
Pianisten "Ben Folds-Five". Allein daraus ergibt sich schon
die Liebe zum Klavier. Ob im Studio oder beim Proben, Thomas hatte
immer mehr Bock darauf, sich ans Klavier zu setzen. Es imponiert uns
sehr, auf welch kraftvolle Art und Weise die englische Band "Coldplay"
das Piano in ihren Stücken einsetzt. Auch wir verstehen das Piano
nicht nur als Akkorde spendendes Hintergrundteil. Zum nächsten
Geburtstag wollen wir ihm eine Krawatte mit Klaviertastatur schenken.
Euer
Lied "Ein ganzer Sommer" wurde unerwartet zum Chart-Hit.
Wie ist der Song entstanden, dessen Refrain "Zuerst kommt der
Blitz, dann kommt der Donner. Und am Ende ein ganzer Sommer?"
fast schon zum geflügelten Wort wurde?
Mathias:
Das kann ich Dir nicht genau sagen, da Thomas das Lied geschrieben
hat. Als er uns das Stück zum ersten Mal vorspielte, mussten
wir lachen wegen der klaren Bilder, die in dem Song steckten. Es ist
ein tolles Liebeslied, in dem eine Beziehung reflektiert wird. Der
Blitz symbolisiert das Gefühl, frisch verliebt zu sein, der Donner
steht für die Probleme in einer Beziehung, und wenn alles wieder
in geordneten Bahnen verläuft, dann geht die Sonne auf.