Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de

Überraschung auf
den zweiten Blick


Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Annett Louisan wohl nicht beklagen. Musikhörer und -kritiker sind voll des Lobes über ihr Debüt-Album "Bohème", mit dem sie es nicht nur in die Charts, sondern sogar in die Kulturmagazine und Feuilletons schaffte. Und dabei, so heißt es bereits im Eröffnungssong ihres Albums, wolle sie "doch nur spielen".

Annett Louisan ist tatsächlich eine Überraschung auf den zweiten Blick. Ihre äußere Erscheinung, ihre betont mädchenhafte Stimme, das Image, das für ihre Platte gestrickt wurde, verleiten zur Unterschätzung. Das sei sie gewohnt, sagte sie kürzlich in einem Interview mit der ARD und setzte dabei ihr bezauberndstes Lächeln auf.

Doch was auf den ersten Blick nach naivem Jungmädchen-Charme aussieht und zunächst auch so klingt, hat es in Wirklichkeit faustdick hinter den Ohren und entpuppt sich schließlich als frech, witzig, manchmal ironisch - und immer sehr eigenständig und zielbewusst.

Annett Louisan füllt mit ihren betont einfachen, akustisch instrumentierten Chansons eine Sparte, die es in der deutschsprachigen Musik vor ihr in dieser Form noch gar nicht gab.
Nicht Pop oder Deutschrock ist ihr Metier, ebenso wenig wie banale Schlager oder die Schwermut der Liedermacher. Vielmehr orientiert sich ihre leise, verspielte Musik an aktuellen jungen französischen Interpretinnen wie Coralie Clément, Carla Bruni oder Keren Ann.

Mit ihrer frischen, offenen Art findet sie einen eigenen Zugang zum Chanson, der textlich zwischen Koketterie und Ironie variiert. Annett Louisan begreift Liebe und Erotik als selbstverständliche Zugaben, doch ebenso gekonnt umgeht sie Kitsch und banale postpubertäre Herz-Schmerz-Lyrik. Ihre Souveränität im Umgang mit diesen unterschiedlichen emotionalen Färbungen offenbart dabei eine völlig ungewohnte Leichtigkeit.

Vieles spricht dafür, dass es sich bei diesem Debüt nicht um einen Zufallstreffer handelt. Annett Louisan weiß, wohin sie will, und ihr Ziel verfolgt sie mit spürbarem Ehrgeiz. In Wirklichkeit will sie nämlich alles andere als "bloß spielen".

© Michael Frost, 30.11.2004

Tipps zu ähnlichen CDs und Bands:

Keren Ann, Coralie Clément, Carla Bruni

[Archiv] [Up]